Okinawa Sehenswürdigkeiten

Ein Wintertag in Naha – Strand, Geschichte und Kultur


Haben Sie schon einmal Urlaub im eigenen Land gemacht und sind sich dabei dennoch wie ein richtiger Tourist vorgekommen?
Genau dieses Gefühl ist es, was viele Japaner vom japanischen Festland in die südlichste Präfektur ihrer Nation treibt. Denn rund 500 Kilometer von dem japanischen Festland und lediglich knapp 125 Kilometer von Taiwan entfernt, liegt Okinawa – auch bekannt als das japanische Hawaii. Bestehend aus der Hauptinsel Okinawas, Hontō und den Ryūkyū-Inselgruppen, stellt dieses Paradies im Ostchinesischen Meer nicht nur das Reiseziel vieler einheimischer, sondern auch vieler ausländischer Touristen dar.

Ein Wintertag in Naha – Strand, Geschichte und Kultur
Willkommen auf Okinawa mit seiner faszinierenden Flora und Fauna!

Eine Reise in die Vergangenheit Okinawas

Okinawa gehört wohl zu einer der geschichtsträchtigsten Präfekturen Japans – unteranderem einer der Gründe, weshalb es mich hierher verschlagen hat. Denn noch bis 1879 gehörte Okinawa zum eigenständigen Königreich Ryūkyū, dessen Sprache noch heute von den älteren Einwohnern Okinawas gesprochen wird, während die Jüngeren die japanische Sprache vorziehen.

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Von der Burganlage können Sie über Naha, bis hin zum Hafen von Naha blicken.

So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass mich mein erster Weg an diesem Tag zur Burg Shuri führte. Errichtet im 14. Jahrhundert, diente sie noch in der Edo-Zeit (1603 – 1868) als Sitz der Shō, der damaligen Herrscher über das Königreich Ryūkyū.
Von der Yui-Monorail Station Shuri aus, laufen Sie knapp fünf Minuten bis zu der weitläufigen Burganlage, die heutzutage ein öffentlich zugänglicher Park ist. Aber seien Sie vorgewarnt: Die Anlage befindet sich auf einem kleineren Berg und im Sommer könnte der Aufstieg zu einer ziemlich schweißtreibenden Angelegenheit werden.

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An heißen Sommertagen zieht sich der Weg nach oben ganz schön in die Länge.
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Das Zuisenmon– Tor.

Aber da selbst im Winter die Durchschnittstemperatur auf Okinawa 21 Grad beträgt, war dieser sonnige Märztag perfekt um die Burganlage in all ihren Einzelheiten zu erkunden.

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Das Kankaimon– Tor ist der Haupteingang der Burg Shuri und sollte Besucher Willkommen heißen.

Bevor Sie die innere Anlage der Burg Shuri betreten, müssen Sie das große Houshinmon Tor durchschreiten, dessen rote Farbe an diesem Tag regelrecht erstrahlt und erahnen lässt, was für ein erhabenes Gefühl es einst sein musste, das Privileg zu haben, durch diesen Weg die Burg Shuri betreten zu dürfen. Denn der Weg durch das Houshinmon Tor war einst nur dem König und Adel gestattet.

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Der Weg durch das Houshinmon– Tor war einst nur dem König und Adel gestattet.

Ich lasse es mir nicht entgehen die Räumlichkeiten der Burg Shuri ebenfalls zu besichtigen, die sich in ihrem Aufbau von anderen Burganlagen in Japan unterscheidet, was nicht zuletzt an dem chinesischen Einfluss liegen mag, der die Kultur des Königreich Ryūkyūs, zusammen mit dem japanischen Einfluss, prägte.

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Das Hauptgebäude der Burg Shuri.
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Der Thronsaal im Inneren der Burg.

Ein wenig abseits der belebten Pfade rund um die Burg Shuri herum, führt mich mein Weg zu dem kleinen Bezaitendo Schrein, der sich inmitten des Enkanchi Teiches befindet, der ebenfalls einen Teil der Burganlage darstellt.
Umgeben von hohen Bäumen, die ihren Schatten auf den Weg werfen und eine tiefe Ruhe ausstrahlen, scheint dieser Teil der Anlage jedoch nicht so bekannt bei einem Großteil der Besucher zu sein. Ein weiterer Grund, weshalb Sie dieses kleine Stück Geschichte nicht verpassen sollten, welches errichtet wurde, um heilige Schriften der Buddhisten aufzubewahren, die das Königreich Ryūkyū vom König Koreas erhielt.

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Der kleine Bezaitendo Schrein.

Naminoue Schrein – Eine Heilige Stätte im Paradies

Auch wenn die Burg Shuri mit ihrer beeindruckenden Geschichte, eine ungewohnte Faszination auf mich ausübt, reiße ich mich von der Anlage los und fahre mit der Yui-Monorail zur Station Prefectural Office, die auch Kencho-mae genannt wird.

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Von hier aus ist es nur ein knapp 15-minütiger Fußmarsch bis zu dem Naminoue Schrein, der auf einer kleinen Anhöhe liegt, von wo aus Sie auch einen Blick auf den Naminoue Strand erhaschen können, der den Schrein umgibt. Wortwörtlich übersetzt, bedeutet Naminoue so viel wie „Schrein über den Wellen“ und dieser Bedeutung wird diese Heilige Stätte der Ryūkyū auch gerecht.

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Der Naminoue Schrein ist eine beliebte Touristenattraktion in Naha.

Laut den historischen Dokumenten des Königreichs Ryūkyū, wurde bereits im Jahre 1367 ein Schrein an der Stelle errichtet, wo der heutige Naminoue Schrein steht.
Als Basis der Handelsbeziehungen zu China, Korea und Japan, passierten tägliche etliche Schiffe auf ihrem Weg zum und vom Hafen von Naha den Schrein auf den Klippen und beteten nicht nur für eine sichere Reise, sondern auch für einen reichen Fischfang und eine reiche Ernte. Jährlich besuchte auch der König den Naminoue Schrein, um für Frieden und Wohlstand der Nation Ryūkyū zu beten, wodurch der Naminoue Schrein ebenfalls als Hauptschrein des Königreichs bekannt wurde.

Die Wiederaufbauarbeiten des, während des zweiten Weltkrieges zerstörten, Schreins dauerten bis 1993 an.

Mit seiner beeindruckenden Lage und Bedeutung für das damalige Königreich Ryūkyū, sowie mit seiner langen Geschichte, gehört der Naminoue Schrein heute zu einer der beliebtesten Touristenattraktionen Nahas.

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Und auch ich muss zugeben, obwohl ich schon mehrere Schreine in Japan besichtigt habe, dass der Schrein auf den Klippen, sichtbar für die vorbeiziehenden Schiffe, mit seinen Wächtern den Shisa (ein Artefakt der Ryūkyū Kultur, sie sollen vor dem Bösen schützen), eine ganz besondere Ausstrahlung hat.
Aus diesem Grund Reihe auch ich mich in die Schlange vor dem Hauptschrein ein, um ein kurzes Gebet auszusprechen.

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Shisa finden Sie nicht nur vor Schreinen, sondern auch vor Restaurants und Wohnhäusern.

Baden im Winter? Auf Okinawa normal!

Nach meinem Gebet gehe ich runter zum Strand. Der weiße Sand und das türkisfarbene Wasser haben einfach eine magische Anziehungskraft auf mich, der ich nicht widerstehen kann.
Da es mittlerweile Mittag ist und die Temperatur auf knapp 23 Grad gestiegen ist, bei strahlendem Sonnenschein, ziehe ich meine dünne Jacke aus, breite sie auf dem feinen Sand aus und mache es mir, nur mit einem T-Shirt, gemütlich. Scheinbar bin ich nicht die einzige, die ihre Mittagspause am Naminoue Strand verbringen möchte, denn neben mir finden sich noch eine Vielzahl anderer Touristen und Einheimischer, die mit derselben Absicht hierhergekommen sind und nun ihre Bentoboxen auspacken.

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Der Naminoue Strand mit seinem türkisfarbenen Wasser.
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Auch am Strand finden Sie einige der zahlreichen Straßenkatzen von Naha.

Ein wenig bereue ich es schon, dass ich meine Badesachen nicht mitgenommen habe, während ich den beiden Schwimmern zusehe, die ihre Bahnen durch das türkisblaue Wasser ziehen, das eine angenehme Temperatur hat, wie ich nach einem kurzen Test mit den Füßen feststellen muss.
Da ich für die Walbeobachtungstour um 13:30 Uhr angemeldet bin, mache ich mich langsam auf den Weg zum Treffpunkt, dem Miegusuku Hafen, der nur knapp 10 Gehminuten vom Naminoue Schrein entfernt liegt.

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Das Wasser lädt zum Schwimmen ein!

Hier finden Sie nicht nur die Möglichkeit die Seele baumeln zu lassen oder ein Eis zu essen, sondern Sie können sich auch einen Überblick über die anderen Aktivitäten verschaffen, die am Hafen von Naha angeboten werden. Wie zum Beispiel die Tauchgänge in einem extra Bereich des Hafens, der nur für Taucher zugänglich ist.
Ich setze mich noch für einige Augenblicke an den Rand und beobachte die Tauchergruppe, die gerade eingewiesen wird, wobei ich mir insgeheim schon vornehme mich nächstes Mal, wenn ich Okinawa besuche, auch für einen Tauchgang anzumelden. Aber nun wartet erstmal ein anderes Abenteuer auf mich und voller Vorfreude, hoffentlich gleich aus nächster Nähe Wale sehen zu können, begebe ich mich weiter zum Treffpunkt.

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Ein Spaziergang am Hafen von Naha wird Sie nicht enttäuschen.

Ein Abend auf der Kokusai Dori

Der Tag war wunderschön, – ohne Frage – aber auch ziemlich anstrengend, weshalb ich nun doch recht froh bin, den Abend in einem der vielen Restaurants auf der Kokusai Dori ausklingen zu lassen.

Die Kokusai Dori (zu dt. „Internationale Straße“) gehört zu einem der Touristen-Spots schlechthin in Naha, wie mir meine Begleitung erzählt, während wir die zwei Kilometer lange Hauptstraße entlanglaufen.
Gemeinsam probieren wir einige lokale Spezialitäten, darunter auch Umibudo, ein Muss für jeden Vegetarier wie mich. Umibudo, das auch unter dem Namen Meerestraube bekannt ist, ist eine Algenart, die anstelle von Blättern, kleine Bläschen auf dem Stiel ausbildet, wodurch sie auch zu ihrem Namen gekommen ist. Diese kleinen Bläschen platzen im Mund auf und verbreiten den Geschmack des Meeres, im ersten Moment ein merkwürdiges Gefühl, aber ziemlich lecker, weshalb ich mir auch direkt welche als Omiyage kaufe.

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Umibudo, eine lokale Spezialität!
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Meerestiere können Sie sich in einem der Restaurants frisch zubereiten lassen.

Den Abend lassen wir in einem gemütlichen veganen Restaurant ausklingen, das in einem Komnika-Stil (traditionelles japanisches Haus) errichtet ist, der perfekte Abschluss, für einen perfekten Urlaubstag!

Zusatzinformationen

Burg Shuri
Adresse: 1-2 Shuri Kinjo-cho, Naha, Okinawa, 903-0815
Tel.: 098-886-2020
Öffnungszeiten:
April bis Juni – 08:30 bis 19:00 Uhr (letzter Einlass: 18:30)
Juli bis September – 08:30 bis 20:00 Uhr (letzter Einlass: 19:30)
Oktober bis November – 08:30 bis 19:00 Uhr (letzter Einlass: 18:30)
Dezember bis März – 08:30 bis 18:00 Uhr (letzter Einlass: 17:30)
Geschlossen: Der Park ist jedes Jahr am ersten Mittwoch und Donnerstag im Juli geschlossen.

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