Ohne Zweifel ist Starbucks eine der beliebtesten japanischen Institutionen. In nur ein paar kurzen Jahrzehnten, seit der erste japanische Standort der globalen Kaffeekette 1996 in Ginza er\u00f6ffnet hat, ist Starbucks auf \u00fcber 1.600 Gesch\u00e4fte in Japan angewachsen. Ihr findet die Kette in St\u00e4dten, auf dem Land, an Rastst\u00e4tten und \u00fcberall dort, wo eine Filiale Platz findet. Tats\u00e4chlich war Japan der erste internationale Standort von Starbucks<\/strong>, seit das Unternehmen 1971 am Pike Place in Seattle<\/a> in den Vereinigten Staaten gegr\u00fcndet wurde. Dies macht die Beziehung zwischen Starbucks und Japan zu etwas Einzigartigem und Besonderem.<\/p>\n\n\n\n
Als Starbucks in Japan er\u00f6ffnete, war es das erste Caf\u00e9 seiner Art im Land.<\/a> Heutzutage ist es einfach, bestimmte Aspekte von Starbucks f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich zu halten: anpassbare Bestellungen, verschiedene Getr\u00e4nkegr\u00f6\u00dfen, verschiedene Auswahlen an Milch, Spezialgetr\u00e4nke, die neben normalem, gebr\u00fchtem Kaffee verkauft werden und so weiter. Aber als Starbucks in Japan auf den Markt kam, waren diese Dinge v\u00f6llig neu.<\/p>\n\n\n[the_ad id=“91648″]\n\n\n\n
Die Kissaten<\/a><\/em> regierten in den Tagen vor und nach dem Zweiten Weltkrieg. Das hei\u00dft: einfache und kleine Caf\u00e9s mit malerischem Holzinterieur und kleinen Men\u00fcs, die haupts\u00e4chlich einfachen, schwarzen Kaffee beinhalteten. Im Wesentlichen sind Kissaten<\/em> wie Teeh\u00e4user, nur f\u00fcr Kaffee. Diese Gesch\u00e4fte aus der Showa-\u00c4ra s\u00e4ttigten einst Tokio und wurden nach und nach ausgemustert, als sich Caf\u00e9s der zweiten Welle<\/a> auf dem Weltmarkt ausbreiteten: Ketten wie Starbucks, Tully\u2019s, Costa (in Gro\u00dfbritannien) und Dunkin\u2018 Donuts (in den USA).<\/p>\n\n\n
Starbucks war eine Mega-Unternehmenskette, die sich \u2013 aufgrund einiger cleverer Dekorationen und eines Image-Brandings \u2013 wie ein pers\u00f6nliches Caf\u00e9 in der Heimatstadt anf\u00fchlte. Die Produkte waren an allen Standorten gleich, \u00e4hnlich wie bei einem Kettenbetrieb und die Qualit\u00e4t war im Allgemeinen von h\u00f6herem Kaliber als bei den lokalen Kissaten<\/em>. Starbucks bezog seine Bohnen aus der ganzen Welt, verlangte einen h\u00f6heren Standard und etikettierte seine Bohnen und Aufg\u00fcsse nach der Region (Verona, Guatemala, Kolumbien, \u00c4thiopien), was ihnen half Kaffeeliebhaber und allt\u00e4gliche Kaffeetrinker gleicherma\u00dfen anzusprechen.<\/p>\n\n\n
Auch Starbucks war von Anfang an komplett rauchfrei, was einen sch\u00f6nen Kontrast zu der rauchigen, muffigen Atmosph\u00e4re der Kissaten<\/em> bildete, die noch heute mit \u00e4lteren Menschen und einer \u00e4lteren Lebensweise in Verbindung gebracht werden. Im Gegensatz dazu war Starbucks neuer, hipper und kam als zus\u00e4tzlicher Bonus aus den Vereinigten Staaten. Andere US-Namen wie McDonald\u2019s waren bereits in Japan infiltriert und repr\u00e4sentierten eine nach vorne gerichtete soziale Bewegung.<\/p>\n\n\n\n
Die Wahrheit ist, dass Starbucks schon immer ein fortschrittliches, integratives Unternehmen war und Japan dies zur Kenntnis nahm. Erst im Juli 2020 hat Starbucks seinen f\u00fcnften Laden f\u00fcr Geh\u00f6rlose<\/a> weltweit er\u00f6ffnet, und das in Kunitachi in Tokio.<\/p>\n\n\n\n
Ein kurzer Abstecher in ein Starbucks in Japan zeigt uns Menschen aus allen Lebensbereichen: Paare, die sich verabreden; Kollegen mit Laptops, die \u00fcber Gesch\u00e4fte sprechen; Arbeitnehmer, die von Zuhause aus arbeiten k\u00f6nnen und stundenlang an Ort und Stelle sitzen; Reisende, die Einheimische beobachten und auf ihren Handys nach Wegbeschreibungen suchen; Leute, die stehen bleiben f\u00fcr 10 Minuten, um sich auf dem Weg zum Bahnhof ins WLAN einzuklinken<\/a>; Studenten mit verstreuten Papieren, Stiften und h\u00f6chstwahrscheinlich (seien wir ehrlich) Frappuccino. Kurz gesagt: Menschen aus allen Gesellschaftsschichten, die zu jeder Tageszeit in irgendeiner Art von pers\u00f6nlichen oder beruflichen Gesch\u00e4ften t\u00e4tig sind.<\/p>\n\n\n\n
F\u00fcr Reisende ist Starbucks ideal, da f\u00fcr die Bestellungen keine Japanischkenntnisse erforderlich sind und es ein vertrauter Anblick von Zuhause ist. Die Men\u00fcauswahl ist im Grunde gleich, sodass ein Tourist zum Beispiel einfach sagen kann: \u201eTriple Grande Hot Soy Latte\u201c und das Personal es problemlos verstehen wird. Au\u00dferdem ist die Getr\u00e4nkebeschilderung sowohl auf Englisch als auch auf Japanisch und einige Mitarbeiter in beliebten Gegenden, wie in Shinjuku in Tokio, werden speziell f\u00fcr die Interaktion mit Kunden, die kein Japanisch sprechen, angestellt (Mitarbeiter f\u00fchren euch m\u00f6glicherweise sogar zu diesen Kassenmitarbeitern, ohne dass ihr es merkt). Reisende werden auch erfreut sein zu wissen, dass Bestellungen bei Starbucks genauso anpassbar sind wie Zuhause, was ein gro\u00dfer Gegensatz zu vielen anderen Restaurants oder Caf\u00e9s in Japan ist, die sich tendenziell weigern, ihre Men\u00fcs zu \u00e4ndern. Denkt nur daran, dass ihr m\u00f6glicherweise auf einige \u00dcbersetzungsprobleme sto\u00dft, je komplexer eure Bestellungen werden.<\/p>\n\n\n\n
Auch wenn Starbucks in allen Gesch\u00e4ften das gleiche Standardmen\u00fc hat (Americano, Latte, Cappuccino), gibt es nat\u00fcrlich kundenspezifische Artikel, die ma\u00dfgeschneidert an den japanischen Geschmack angepasst sind. Einige dieser Getr\u00e4nke, wie der \u201eMatcha Latte\u201c, haben sich auch anderswo auf der Welt durchgesetzt. Die meisten exklusiven, nur in Japan erh\u00e4ltlichen Men\u00fcoptionen, sind jedoch an Jahreszeiten gebunden und spiegeln entweder Feiertage (z.B. die Kirschbl\u00fctenzeit im Fr\u00fchling<\/a>, ein rosafarbenes s\u00fc\u00dfes Getr\u00e4nk ohne Espresso) oder saisonale Lebensmittel wider (z.B. Esskastanien-Latte im Herbst, der leicht s\u00fc\u00df ist). Japan ist im Gro\u00dfen und Ganzen ein Profi f\u00fcr die saisonalen Men\u00fcoptionen, daher sind diese oft sehr begehrt und werden beworben. (Sorry an die USA: Es gibt aber keinen Pumpkin Spice Latte, und auch keine aromatisierten Sirupe, die ad hoc in die Getr\u00e4nke gemixt werden k\u00f6nnen.)<\/p>\n\n\n\n
Es gibt auch einige Besonderheiten, die nur bei Starbucks in Japan zu finden sind und die die japanische Kultur widerspiegeln. Anstehen ist beispielsweise nicht nur bei der Getr\u00e4nkebestellung wichtig, sondern auch bei der Getr\u00e4nkeausgabe. Kein Zusammenkauern in einer riesigen Masse an der Getr\u00e4nketheke, die darauf wartet, dass ihr Name aufgerufen wird. Und \u00fcbrigens gibt es auch keine Namen. Die Mitarbeiter rufen jedes Getr\u00e4nk nacheinander aus, also haltet eure Quittung bereit, falls es Probleme mit eurer Bestellung gibt. Und achtet in Zeiten von COVID nat\u00fcrlich auf fu\u00dff\u00f6rmige Schilder auf dem Boden<\/strong>, um zu wissen, wo ihr zu stehen habt und die Regeln von \u201eSocial Distance\u201c<\/a> einhaltet. <\/p>\n\n\n\n
Eine weitere kleine Eigenart, die weniger mit COVID und wiederum mehr mit der Kultur zusammenh\u00e4ngt, ist die Vorsicht in Bezug auf das Ber\u00fchren von Dingen und den pers\u00f6nlichen Raum. Versucht, eure Ber\u00fchrung von Produkten wie Tassen und Thermoskannen einzuschr\u00e4nken, es sei denn, ihr beabsichtigt sie zu kaufen und achtet auf eure allgemeinen Manieren, dass ihr euch nicht auf Dinge st\u00fctzt, \u00fcber die Kasse sp\u00e4ht, ein falsches Getr\u00e4nk nehmt und so weiter. Dazu liegt jeder Bestellung mit Sojamilch immer ein K\u00e4rtchen bei, das ihr bei der Bestellung mitnehmt und bei Erhalt eures Getr\u00e4nks abgeben sollt. Dies tr\u00e4gt dazu bei, Fehler im Bestellprozess aufgrund von Allergien und Doppelnutzungen von Beh\u00e4ltern mit Milch, Kartonh\u00fcllen und dergleichen zu begrenzen. <\/a>Schaut euch ein typisches japanisches Starbucks-Men\u00fc doch einmal an.<\/p>\n\n\n\n
Das Starbucks-Erlebnis in Japan beschr\u00e4nkt sich jedoch nicht nur auf den Kaffee. Es gibt eine Reihe einzigartiger und beeindruckender Orte wie die Ninenzaka Yasaka Chaya-Filiale in Kyoto, ein 100 Jahre altes umgebautes Stadthaus<\/strong>. Oder ihr nehmt die Kitano Ijinkan-Filiale in Kobe, ein Anwesen im westlichen Stil, das aussieht wie ein Geb\u00e4ude, das direkt aus der Innenstadt von Bosten entsprungen ist<\/strong>. Oder werft einen Blick auf die Kawagoe Kanetsuki Dori-Filiale in Saitama, die die \u00c4sthetik aus der Edo-\u00c4ra mit einer offenen Ladenfront<\/strong> besitzt.<\/p>\n\n\n\n
Au\u00dferdem gibt es in ganz Japan erstklassige Standorte von Starbucks R\u00f6stereien mit einzigartigen, teureren Produkten. Die R\u00f6sterei in Nakameguro in Tokio<\/a> zum Beispiel, ist eher ein kaffeebasierter Themenpark als ein einfaches Caf\u00e9, mit einem verzierten, bronzefarbenen, steampunkartigen Interieur, <\/strong>Bohnen, die durch Rohre entlang der Decke schie\u00dfen und einzigartigen Sammlerst\u00fccken, typisch f\u00fcr die R\u00f6sterei.<\/p>\n\n\n\n
Es versteht sich von selbst, aber diese Art von Orten bietet nicht nur Variationen des Starbucks-Erlebnisses in Japan, sondern auch des Kaffeetrinkens im Allgemeinen. Dies gilt f\u00fcr Einheimische, die nur f\u00fcr eine Stunde dem Alltag entfliehen m\u00f6chten oder f\u00fcr Reisende, die die einzigartige Beziehung Japans zu Starbucks erleben m\u00f6chten. Wenn ihr euch an einen dieser einzigartigen Orte wagt, m\u00fcsst ihr euch darauf einstellen, drau\u00dfen in der Schlange zu stehen, noch bevor ihr es zur Kasse schafft. Egal wie viel Zeit ihr habt, das Warten kann sich als absolut lohnenswert erweisen.<\/p>\n\n\n\n