Japan besitzt eine schier unendliche Liste herausragender Park- und Gartenanlagen, die sowohl im Frühjahr und Sommer als auch im Winter und Herbst mit ihrem ganz persönlichen Charme verzaubern. Zu entscheiden, welchen Ort man daher besuchen sollte, kann ziemlich schnell zu Überforderung ausarten. Ähnlich verhält es sich mit japanischen Gärten in Tokio, denn auch hier ist die Auswahl groß genug, um locker mehrere Tage mit Besuchen in den Anlagen zu verbringen.
Um euch die Entscheidung ein wenig leichter zu gestalten, möchte ich euch daher meine drei liebsten japanischen Gärten in Tokio vorstellen, die mich neben ihrer entspannten Atmosphäre auch durch ihre historische Bedeutung in ihren Bann gezogen haben.
Kyu-Yasuda-Garten in Ryogoku: Ein unbekanntes Juwel
Ein typischer Landschaftsgarten aus der Edo-Zeit, mitten im Herzen Ryogokus im Tokioter Stadtbezirk Sumida und dazu auch noch mit kostenlosem Eintritt: Das ist der Kyu-Yasuda-Garten oder auch Yasuda-teien bzw. Former Yasuda Garden genannt.
Es ist bereits einige Jahre her, dass wir diesen japanischen Garten durch Zufall auf einer unserer Fahrradtouren in der Tokioter Sommerhitze entdeckten. Und uns im selben Augenblick fragten, weshalb wir nicht schon früher hier gewesen waren. Entstanden im späten 17. Jahrhundert in der Edo-Zeit war der Yasuda-teien ursprünglich Teil des Anwesens des japanischen Unternehmers Yasuda Zenjiro (1838-1921), daher auch sein Name, und gelang erst im 20. Jahrhundert, nach dem Großen Kanto-Erdbeben im Jahr 1923, bei dem der Garten schwer beschädigt wurde, in den Besitz der Stadt Tokio, die den Garten restaurierte und wiedereröffnete.
Was den Garten so besonders macht, ist nicht nur seine zentrale und doch wenig bekannte Lage, sondern auch der zentrale Teich der Anlage, der früher mit dem Sumida-Fluss verbunden war. Durch diese Verbindung änderte sich, je nach Ebbe oder Flut, dessen Wasserstand und gab kleine Pfade durch den Teich frei oder ließ sie eben wieder verschwinden. Da die direkte Verbindung zum Sumida-Fluss heute nicht mehr besteht, wird der Ebbe-Flut-Effekt von Pumpen nachgeahmt, die den Wasserstand des Teiches je nach Tageszeit ändern.
Doch es gibt noch eine Besonderheit, auf die ihr bei eurem Besuch achten solltet. Denn wenn ihr die Wege im Garten entlanggeht und nahe zum Wasser kommt, werden sich mit Sicherheit einige der vorwitzigen Wasserschildkröten euch nähern. In der Hoffnung auf Futter legen die Tierchen ein fast handzahmes Benehmen an den Tag, doch passt auf eure Finger auf!
Kyu-Yasuda-Garten
ESTABLISHMENT- 1-chōme-12-1 Yokoami, Sumida City, Tokyo 130-0015, Japan
- ★★★★☆
Kiyosumi-Garten in Koto-ku: Ein Spaziergang durch eine Wasser- und Steinlandschaft
Auch der nächste Garten auf meiner Liste hat bereits seit längerer Zeit einen Platz in meinem Herzen. Erstmals besuchte ich den Kiyosumi-Garten, auch Kiyosumi-teien genannt, im Jahr 2016 und fand seitdem immer wieder meinen Weg hierher.
Mit Eintrittskosten von gerade einmal 150 Yen gehört der Kiyosumi-teien zu den günstigeren japanischen Gärten in Tokio. Seine ursprüngliche Form entstand im 17. Jahrhundert als Residenzgarten des Daimyos von Sekiyado, ging Ende des 19. Jahrhunderts jedoch in den Besitz des Gründers von Mitsubishi, Iwasaki Yataro (1835-1885), über, der ihn zu einem repräsentativen Garten für die Mitsubishi-Gruppe ausbaute. Der Kiyosumi-teien sollte zur Unterhaltung von Gästen und Geschäftspartnern Yataros genutzt werden.
Ebenso wie der Yasuda-teien war auch dieser Garten ursprünglich mit dem Sumida-Fluss verbunden und die Teichanlage somit den Gezeiten ausgesetzt. Eine Restauration der Gartenanlage erfolgte im Jahr 1985, unter anderem aufgrund von Schäden durch das Große Kanto-Erdbeben und den Zweiten Weltkrieg.
Was diesen japanischen Garten in Tokio so besonders macht, ist seine Vielzahl an Ziersteinen, die aus ganz Japan stammen und jeder von ihnen seine eigene Geschichte mit sich trägt. Darunter finden sich Ufersteine aus Izu und der heutigen Präfektur Kanagawa, aber auch Steine von der Insel Sado, gelegen an der Westküste Niigatas, sowie der seltene schwarze Kamo-ishi, ein Naturstein, der aus dem Kamo-Fluss in der Präfektur Kyoto stammt.
Kiyosumi-Garten
ESTABLISHMENT- 3-chōme-3-9 Kiyosumi, Koto City, Tokyo 135-0024, Japan
- ★★★★☆
Koishikawa-korakuen: Einer der ältesten japanischen Gärten in Tokio
Unser letzter Stopp führt uns in die Nähe des Tokyo Domes, zu einem der ältesten japanischen Gärten in Tokio. Der Koishikawa-korakuen ist im Vergleich zu meinen vorherigen zwei Empfehlungen zwar bekannter und der Eintritt von 300 Yen auch etwas kostspieliger, doch ein Besuch dieser Anlage ist dafür umso lohnenswerter.
Bei unserem ersten Besuch zur Kirschblüte waren wir ehrlich gesagt etwas überrascht, wie lang die Schlangen vor dem Garten waren. Zum Glück verlaufen sich die Besucher auf den rund 70.847 Quadratmetern schnell, sodass wir den Koishikawa-korakuen trotzdem in einer angenehm ruhigen Atmosphäre genießen konnten. Gerade deshalb würde ich einen Besuch außerhalb der Hochsaison jederzeit empfehlen.
Angelegt im frühen 17. Jahrhundert unter Tokugawa Yorifusa, dem Daimyo der Mito-Domäne, und weiterentwickelt von seinem Sohn Tokugawa Mitsukuni gehört der Koishikawa-korakuen zu einem der wenigen japanischen Gärten in Tokio, die die Edo-Zeit relativ originalgetreu überstanden haben. 1952 wurde der Garten zudem als „Besondere historische Stätte“ ausgewiesen. Die Anlage ist vom konfuzianischen Prinzip „Erst das Volk, dann das eigene Vergnügen“ geprägt, nicht zuletzt, weil Tokugawa den Garten gemeinsam mit dem chinesischen Gelehrten Zhu Shunshui fertigstellte.
Der Korakuen ist als Wandelgarten angelegt: Im Zentrum steht eine weitläufige Teichanlage, die von einem kleinen Bach gespeist wird, der schließlich im Sumida-Fluss mündet. Weitere Miniaturlandschaften spiegeln Berge und Reisfelder wider, so wird beispielsweise die chinesische Landschaft des Berges Lu nachgestellt. Das Inada-Reisfeld soll die Bemühungen und Anstrengungen der Bauern verkörpern, heutzutage kümmern sich Grundschüler aus dem Bezirk Bunkyo um den Reisanbau und dessen Ernte im Herbst. Pflaumenblüten, Blauregen, Momiji, japanische Lilien, Teiche mit Lotusblüten und natürlich die Kirschblüten sorgen für saisonale Erlebnisse das ganze Jahr über.
Um den Garten vollends zu genießen, empfehle ich euch genügend Zeit einzuplanen, denn ein oder zwei Stunden sind definitiv nicht genug, um jede Ecke des Koishikawa-korakuens zu entdecken.
Koishikawa-korakuen
ESTABLISHMENT- 1-chōme-6-6 Kōraku, Bunkyo City, Tokyo 112-0004, Japan
- ★★★★☆
Ob versteckt und ruhig, weitläufig und repräsentativ oder historisch besonders bedeutend, die japanischen Gärten in Tokio zeigen jeweils eine ganz eigene Facette der Stadt, die im Kontrast zum oft hektischen Alltag steht. Für mich sind sie jedes Mal aufs Neue ein Ort zum Durchatmen, Entdecken und Innehalten.
Gerade deshalb lohnt es sich, nicht nur die bekanntesten Spots abzuklappern, sondern sich bewusst Zeit für diese besonderen Rückzugsorte zu nehmen. Denn oft sind es genau diese Momente zwischen Teichen, Brücken und alten Bäumen, die mir von Tokio am längsten in Erinnerung bleiben.
Wenn ihr also das nächste Mal in Tokio seid, plant unbedingt einen Besuch in einem dieser Gärten ein, vielleicht entdeckt ihr ja euren ganz persönlichen Lieblingsort.