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Kindertag in Japan: Was ist der Kodomo no Hi?

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In Japan wird der Kindertag (Kodomo no Hi) jedes Jahr am 5. Mai im Rahmen der Goldenen Woche gefeiert. Ursprünglich als Tango no Seeku bekannt, war er eine der fünf traditionellen Sekku-Zeremonien am japanischen Kaiserhof. Während das Hinamatsuri (Puppenfest) am 3. März den Mädchen gewidmet ist, galt der Kindertag historisch als Jungentag und feierte die Gesundheit und Stärke dieser. Heute ehrt er das Glück und das Wachstum aller Kinder. Familien in ganz Japan schmücken ihre Häuser mit bunten Karpfenfahnen (Koinobori) und Samuraihelmen (Kabuto) als Symbole für Stärke und Mut.

Die Ursprünge des Kodomo no Hi

Die Ursprünge des Kindertags sind eng mit dem chinesischen Mondkalender und der chinesischen Folklore verbunden. In China und anderen ostasiatischen Kulturen ist der fünfte Tag des fünften Monats als Drachenbootfest bekannt. In Japan wurde es unter Kaiserin Suiko als Tango no Sekku eingeführt. Seit der Nara-Zeit wurde es am Kaiserhof, wie auch die anderen Zeremonien zum Jahreswechsel, gefeiert. Es war eine Zeit für Bogenschießwettbewerbe, Pferderennen und Reinigungsrituale, um Unglück abzuwenden, da der fünfte Monat als unglückbringend galt. Das Fest markierte auch den Beginn der Reispflanzzeit und war mit Gebeten für eine gute Ernte verbunden.

Während der Kamakura-Zeit erlangte das Fest mit dem Aufkommen der Samurai-Kultur eine kriegerische Bedeutung. Ursprünglich wurden Samurai-Helme und -Rüstungen während des Tango no Sekku im Rahmen ihrer jährlichen Wartung vor der Regenzeit ausgestellt. Mit der Zeit entwickelte sich dieser Brauch zu einem Symbol für militärische Stärke und Schutz.

Die Rituale des Festes, die einst der Abwehr böser Geister dienten, wurden auch zu einem Brauch, um jungen Knaben Stärke und Mut zu wünschen. In dieser Zeit wurde die Japanische Schwertlilie (Shobu 菖蒲) aufgrund ihrer phonetischen Ähnlichkeit mit dem Wort Shobu 尚武, was „Kriegergeist“ bedeutet, zum Symbol der Samurai. Daher wird der 5. Mai auch als Shobu no Sekku gefeiert, und Shobu-Blätter werden für Dekorationen und festliche Süßigkeiten verwendet. Diese Verbindung mag auch der Grund dafür sein, dass der Brauch, in Shobu-Blättern zu baden, bis heute fortbesteht.

1948 wurde Tango no Sekku in Kodomo no Hi umbenannt und offiziell zum nationalen Feiertag erklärt, der allen Kinden – Jungen wie Mädchen – gewidmet ist, um ihnen Gesundheit, Glück und eine strahlende Zukunft zu wünschen und gleichzeitig ihre Mütter zu ehren. Die meisten Japaner betrachten und feiern ihn jedoch weiterhin als Jungentag.

Koinobori-Fahne
Foto: Gianpiero Mendini

Während Einflüsse aus China weiterhin bestehen, wie etwa süße Teigtaschen und Drachenbootrennen in einigen Regionen, entwickelte sich Tango no Sekku in Japan mit seinen eigenen Symbolen, wobei Koinobori die bekannteste Tradition für den 5. Mai ist. Aber warum sind Karpfenflaggen so eng mit diesem Fest verbunden?

Die Bedeutung hinter den Koinobori-Karpfenflaggen

In der japanischen Kultur symbolisiert der Karpfen (Koi) Stärke, Ausdauer und Erfolg, da dieser Fisch für seine Fähigkeit bekannt ist, gegen starke Strömungen anzuschwimmen. Diese Symbolik deckt sich mit den Werten des Kodomo no Hi, das traditionell das Wachstum und den Mut von Jungen feierte. Man nimmt an, dass Koinobori während der Edo-Zeit (1603-1868) populär wurden, als das einfache Volk begann, sie als Gegenpol zu den Bannern der Samurai-Familien am 5. Mai zu hissen.

Bei den Flaggen handelt es sich um Windspiele aus Papier oder Stoff in Form von Karpfen. Jeder Fisch im Koinobori symbolisiert ein Familienmitglied. Große Karpfen stehen für die Eltern, der schwarze für den Vater und der rote für die Mutter. Die kleineren Fische repräsentieren die Kinder. Um den Kindertag herum sieht man sie über Flüssen und Gärten wehen, auf Balkonen flattern oder einfach als kleine Dekoration in Häusern und Geschäften hängen. 

Wie wird Kodomo no Hi heutzutage gefeiert?

Während traditionelle Dekorationen wie Koinobori und Samurai-Rüstungen immer noch weit verbreitet sind, haben ihre Größe und Pracht im Laufe der Zeit aufgrund von Platzmangel und Kosten abgenommen.

In ihren Häusern stellen Familien Miniaturrepliken von Helmen oder Maipuppen (Gogatsu Ningyo) auf, die Krieger darstellen. Man findet dort auch Figuren von Kintaro, einem Helden der japanischen Folklore. Er ist ein Junge von übermenschlicher Stärke, der von einer Berghexe aufgezogen wurde und bekannt dafür ist, gegen einen riesigen Karpfen gekämpft zu haben. Es ist Brauch, am Kodomo no Hi eine Kintaro-Puppe aufzustellen, in der Hoffnung, dass Jungen ebenso stark und mutig werden.

Auch spezielle Wagashi werden zu diesem Anlass gegessen, wie zum Beispiel Kashiwa Mochi (Reiskuchen gefüllt mit süßen roten Bohnen, in ein Eichenblatt gewickelt) und Chimaki (klebriges Reisgebäck, das mit einem Bambusblatt bedeckt und gedämpft wird), die japanische Version des chinesischen Zongzi, das zum Drachenbootfest gegessen wird.

Kashiwamochi
Foto: katorisi Wikipedia Commons

Unabhängig davon, wie Familien feiern, bleibt der Wunsch derselbe: dass Kinder stark und gesund aufwachsen. Für viele Japaner markiert der 5. Mai auch das Ende der Goldenen Woche, Japans längster Feiertagsperiode, und die Rückkehr zum Alltag.

Übersetzung von Yvonne Tanaka.

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Stefania Da Pont

Translator and Japanese language tutor. I live in northern Italy but I feel at home in Japan, where I travel as often as I can. I drink a lot of green tea, read tons of books and collect Japanese pottery and kokeshi dolls. Karee raisu is my comfort food.

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