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Setsubun: Das Fest des Glücks und der Dämonenvertreibung in Japan

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Setsubun 節分 ist ein bedeutendes kulturelles Fest in Japan, das jährlich am Tag vor dem offiziellen Frühlingsbeginn gefeiert wird. Mit seinen jahrhundertealten Traditionen wird Setsubun mit Ritualen begangen, die Häuser von bösen Geistern befreien und das Glück für das kommende Jahr herbeiführen sollen. Das bekannteste dieser Rituale ist Mamemaki 豆まき, das Bohnenwerfen, das untrennbar mit dem Fest verbunden ist. Im Laufe der Zeit hat sich Setsubun weiterentwickelt und moderne Bräuche wie das Essen von Ehomaki 恵方巻き, lange, dicke Sushi-Rollen, integriert, wodurch alte Traditionen mit zeitgenössischen Einflüssen verschmelzen.

Aber Setsubun ist mehr als nur ein Fest. Es birgt eine tiefe symbolische Bedeutung. Die Rituale spiegeln Themen wie Reinigung, Erneuerung und das Willkommenheißen von Glück wider. Durch die Teilnahme an diesen Bräuchen verbinden sich die Menschen mit Japans reichem kulturellen Erbe und bereiten sich auf die Chancen und Herausforderungen des kommenden Jahres vor.

Die Ursprünge von Setsubun

Das Wort Setsubun bedeutet wörtlich übersetzt „Jahreszeitenwechsel“ und bezeichnet den Übergang zwischen Winter und Frühling. Es hat seinen Ursprung im chinesischen Mondkalender, der historisch in Japan übernommen wurde. In der Antike glaubte man, dass die Jahreszeitenwechsel Zeiten erhöhter spiritueller Aktivität seien, wodurch die Haushalte anfälliger für Unglück und Krankheit würden. Um diesen Gefahren zu entgehen, praktizierten die Menschen Rituale, die böse Geister vertreiben und einen reibungslosen Übergang in die neue Jahreszeit gewährleisten sollten.

Der Brauch, während Setsubun Bohnen zu werfen, lässt sich auf Zeremonien im Kaiserpalast zurückführen. Im 15. Jahrhundert verbreitete sich dieser Brauch in den einfachen Haushalten und entwickelte sich zur Tradition des Mamemaki. Auch heute noch wird Setsubun mit einer Mischung aus historischer Ehrfurcht und modernen Bräuchen gefeiert.

Mamemaki: Das Böse vertreiben, das Glück willkommen heißen

Mamemaki, der Höhepunkt von Setsubun, ist sowohl ein spirituelles Ritual als auch ein fröhliches Familienfest. Traditionell übernimmt das Familienoberhaupt, oft der Vater oder der älteste Sohn, die Aufgabe, geröstete Sojabohnen, bekannt als Fukumame 福豆 oder „Glücksbohnen“, zu werfen, um das Haus zu reinigen. Ausgehend von der Mitte des Hauses werden die Bohnen aus Fenstern und Türen geworfen, während „Oni wa soto! Fuku wa uchi!“ (鬼は外! 福は内) gerufen wird. Übersetzt bedeutet dies so viel wie: „Das Böse raus! Das Glück rein!“. Das Ritual endet am Eingang und symbolisiert die vollständige Vertreibung negativer Energien.

In modernen Haushalten hat das Ritual eine spielerische Wendung genommen. Ein Familienmitglied, oft der Vater, setzt eine Oni-Maske (Dämonen-Maske) auf, um den zu vertreibenden Dämon darzustellen. Die Kinder bewerfen den Dämon begeistert mit Bohnen und machen das Ganze so zu einem lustigen und unvergesslichen Erlebnis. Diese Anpassung bewahrt den Geist der Tradition und macht sie gleichzeitig für jüngere Generationen attraktiv.

Warum Bohnen?

Die Wahl der Bohnen für Mamemaki ist reich an Symbolik. Das japanische Wort für Bohnen, mame 豆, klingt  ähnlich wie ma-me 鬼目 (Teufelsauge) und ma-metsu 鬼滅 (Teufelszerstörung). Indem die Teilnehmer Bohnen werfen, treffen sie symbolisch die Augen böser Geister und vertreiben sie so. Zudem werden geröstete Bohnen verwendet, da rohe Bohnen keimen könnten und damit Unglück symbolisieren, das sich ausbreitet.

Oni-Maske und geröstete Sojabohnen

In manchen Regionen werden Alternativen wie Erdnüsse verwendet, da diese leichter zu reinigen sind und weniger Schädlinge anlocken. Trotz regionaler Unterschiede bleibt die Kernbotschaft, Bohnen zum Abwehren des Bösen einzusetzen, unverändert.

Wichtige Praktiken für Mamemaki

Für alle, die einmal an dem Mamemaki-Brauch teilnehmen möchten, gibt es einige wichtige Punkte, die beachtet werden sollten:

  • Bohnen essen für das Glück: Nachdem die Bohnen geworfen wurden, isst jedes Familienmitglied so viele Bohnen, wie es Jahre alt ist, plus eine extra für das kommende Jahr. Dieser Brauch soll Gesundheit und Glück bringen.
  • Verwendet geröstete Bohnen: Um zu verhindern, dass sich Unglück „einnistet“, sollten ausschließlich geröstete Sojabohnen, auch Fukumame genannt, verwendet werden. Diese sind während der Setsubun-Saison in Supermärkten leicht erhältlich und werden oft in speziellen Behältern verkauft.
  • Führt das Ritual nachts durch: Der Überlieferung nach sind böse Geister nach Sonnenuntergang am aktivsten. Das Ritual sollte daher abends durchgeführt werden, um die maximale Wirkung zu erzielen.

Für eine kreative Variante bereiten manche Leute Fukucha 福茶, einen Glückstee, zu, indem sie die gerösteten Bohnen im heißen Wasser ziehen lassen. Zutaten wie gesalzener Seetang oder eingelegte Pflaumen können für zusätzlichen Geschmack und eine positive Symbolik hinzugefügt werden.

Ehomaki: Eine moderne Ergänzung zu Setsubun

Während Mamemaki uralte Wurzeln hat, ist der Verzehr von Ehomaki 恵方巻き, also dicken, ungeschnittenen Sushi-Rollen, eine relativ moderne Erfindung. Ursprünglich in den 1930er Jahren in Osaka entstanden, wurden Ehomaki von Sushi- und Algenhändlerverbänden als eine Art der Feier von Setsubun beworben. Der Name Ehomaki, der so viel wie „Rolle für die Glücksrichtung“ bedeutet, wurde in den 1980er Jahren durch eine Marketingkampagne der Konbini-Kette Seven-Eleven populär.

Ehomaki
Foto: whity

Der Brauch besteht darin, die Rolle schweigend zu essen, während man sich in die „Glücksrichtung“ des Jahres wendet, die vom chinesischen Tierkreis bestimmt wird. Die ungeschnittene Rolle symbolisiert Vollständigkeit und Einheit. Das Anschneiden des Ehomaki würde das Glück abschneiden. Jedes Ehomaki enthält typischerweise sieben Zutaten, die die Sieben Glücksgötter 七福神, Gottheiten des Glücks in der japanischen Folklore, repräsentieren.

Variationen und moderne Innovationen

Heutzutage bewerben Supermärkte und Konbinis landesweit in den Wochen vor Setsubun verstärkt Ehomaki. Neben traditionellen Sushi-Rollen gibt es mittlerweile Variationen wie Rollen nur mit Meeresfrüchten, vegetarische Optionen und regionale Spezialitäten. Manche Unternehmen haben das Konzept sogar auf Setsubun-Themen-Rollkochen und Burritos ausgeweitet, sodass man sich auf kreative Weise Glück „essen“ kann.

Interessanterweise bieten einige Läden Ehomaki mittlerweile auch in anderen Jahreszeiten wie Frühling, Sommer und Herbst an, wenngleich dies weniger verbreitet ist. Diese Anpassungen verdeutlichen die Verschmelzung traditioneller Praktiken mit modernen Konsumtrends.

Setsubun als Besucher erleben

Für Japanbesucher bietet Setsubun eine einzigartige Gelegenheit, die Traditionen des Landes hautnah zu erleben. Viele Schreine und Tempel veranstalten öffentliche Mamemaki-Zeremonien, bei denen die Teilnehmer Bohnen werfen und Aufführungen mit Oni-Masken ansehen können. An manchen Orten erhalten die Besucher sogar spezielle Fukumame (traditionelle japanische Opfergaben) zum Mitnehmen.

Zu den typischsten Orten, um die Setsubun-Feier zu erleben, gehört der Yasaka-Schrein in Kyoto, wo man auch Geishas beim Bohnenwerfen beobachten kann. Auch der Senso-ji in Asakusa oder der Naritasan Fudoson in Osaka, wo Kabuki-Spieler für das Bohnenwerfen zuständig sind, sind beliebte Orte.

Außerdem ist der Genuss von Ehomaki während Setsubun eine köstliche Möglichkeit, den Feiertag zu erleben. Ob im Laden gekauft oder selbst zubereitet: Diese Tradition ermöglicht es Besuchern, die Stimmung von Setsubun zu teilen und gleichzeitig einen Einblick in die japanische Kultur zu genießen.

Dieses kulturelle, farbenfrohe Fest vereint die historischen und modernen Bräuche Japans. Vom uralten Ritual des Mamemaki bis hin zum heute beliebten Ehomaki verkörpert Setsubun Themen wie Erneuerung, Glück und Zusammengehörigkeit. Ob man nun Bohnen wirft, eine Oni-Maske trägt oder schweigend eine Sushi-Rolle isst: Setsubun lädt die Teilnehmer ein, die Verheißung des Frühlings zu begrüßen und Wohlstand für das kommende Jahr willkommen zu heißen. Für Einheimische wie Besucher ist es ein bedeutungsvolles und freudiges Ereignis, das die Herzen in ganz Japan immer wieder aufs Neue erobert.

Übersetzung von Yvonne Tanaka.

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Maria Peñascal

Als Kind träumte ich immer wieder vom Land der aufgehenden Sonne. Deshalb beschloss ich eines Tages, nach Japan zu ziehen, um das Land selbst zu erleben. Aktuell lebe ich abwechselnd in Spanien und Japan und möchte die japanische Kultur durch meine Texte und Fotos mit anderen teilen.

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