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Shibamata: Entdeckt die Zeitkapsel von Tokio

Essen & Trinken FEATURED Kanto Museen und Galerien Tokio
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Ganz im Nordosten Tokios, am Edo-Fluss, der die Grenze zur Präfektur Chiba bildet, liegt Shibamata. Eine Stadt wie keine andere, in der der Charme der Showa-Ära Tokios noch immer zum Alltag gehört. Vom jahrhundertealten Tempel bis zur Einkaufsstraße mit ihren lokalen Händlern und Cafés bietet Shibamata etwas Seltenes in einer Stadt, die immer auf der Suche nach etwas Neuem ist: Kontinuität. Filmfans finden hier sogar ein ganzes Museum, das der japanischen Filmreihe „Otoko wa tsurai yo“ gewidmet ist. Einer langjährigen Serie aus den 1960er-Jahren, die Shibamatas Identität in der Popkultur maßgeblich prägte.

Shibamata: Der Weg in die Vergangenheit

Direkt nach Verlassen des Bahnhofs und vor den Toren eines historischen buddhistischen Tempels aus dem 17. Jahrhundert liegt die Taishakuten-Sando, die gleichzeitig als Shibamatas Haupteinkaufsstraße dient. Das japanische Wort „Sando“ bezeichnet einen Weg, der zu einem Schrein oder Tempel führt. Der Sando, der von den verheerenden Luftangriffen des Zweiten Weltkriegs verschont blieb, versprüht mit seiner Holzarchitektur, den Ziegeldächern und den farbenfrohen Schildern noch immer einen nostalgischen Charme. Entlang der Straße reihen sich Restaurants und Geschäfte aneinander, die alles von Reiscrackern und lokalem Flussfisch bis hin zu Konyaku und gegrilltem Aal anbieten. Die wohl ungewöhnlichste Spezialität sind Kusa Dango, wörtlich übersetzt „Grasklöße“. Diese weichen, grünen Leckereien werden mit Yomogi (japanischem Beifuß) aromatisiert, einem Wildkraut, dem seit Langem gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben werden. Ursprünglich als saisonale Spezialität hergestellt, wurden Kusa Dango dank des reichlich vorhandenen Beifußes entlang des Edo-Flusses mit Shibamata in Verbindung gebracht.

  • Taishakuten Sandō


    ESTABLISHMENT POINT_OF_INTEREST TOURIST_ATTRACTION
  • 7 Chome-7 Shibamata, Katsushika City, Tokyo 125-0052, Japan
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In der Nähe von Taishakuten Sando findet man auch einige Dagashiya, Süßwarenläden im Retro-Stil. Dagashi bedeutet wörtlich „günstige Süßigkeiten“, und genau das bieten sie auch: preiswerte Süßwaren und andere Snacks für nur wenige Yen. Ihre Beliebtheit erreichte in den 1970er- und 1980er-Jahren ihren Höhepunkt, als sie beliebte Treffpunkte nach der Schule waren. Mit der Verbreitung der Konbinis sind viele Dagashiya jedoch verschwunden. Die verbliebenen verströmen eine starke nostalgische Atmosphäre.

Wo Spiritualität auf Kunst trifft

Folgt man der Straße weiter und durchschreitet das kunstvoll geschnitzte Nitenmon-Tor, gelangt man zum Shibamata Taishakuten, oder auch offiziell Kyoeizan Daikyoji-Tempel genannt. Er wurde 1629 gegründet und ist Taishakuten (auch bekannt als Sakra oder Indra) geweiht, einer buddhistischen Gottheit, die mit Schutz, Ordnung und der Verteidigung von Tempeln in Verbindung gebracht wird. Shibamata Taishakuten ist heute vor allem für seine zehn großen Holztafeln bekannt, die in einer Galerie um die Haupthalle ausgestellt sind und Szenen aus dem Lotus-Sutra zeigen, einem der einflussreichsten Texte des japanischen Buddhismus. Die Tafeln wurden Anfang des 20. Jahrhunderts von Meisterhandwerkern gefertigt und sind wahre Kunstwerke, die Himmelswesen, Tiere, Pflanzen und Schlachten darstellen und so die alten Lehren zum Leben erwecken. Hinter der Galerie befindet sich ein wunderschön gepflegter Garten mit einem erhöhten Weg, Koi-Teichen und einem traditionellen japanischen Teehaus.

Japanischer Garten im Shibamata Taishakuten
  • Shibamata Taishakuten


    ESTABLISHMENT PLACE_OF_WORSHIP POINT_OF_INTEREST
  • 7-chōme-10-3 Shibamata, Katsushika City, Tokyo 125-0052, Japan
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Der Shibamata Taishakuten ist wochentags von 5 bis 20 Uhr und am Wochenende bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt zum Tempelgelände ist frei. Für den Besuch der Galerie und des Gartens (beide schließen bereits um 16:30 Uhr) wird jedoch eine geringe Eintrittsgebühr von 400 Yen für Erwachsene bzw. 200 Yen für Grund- und Mittelschüler erhoben, die ausschließlich in bar zu entrichten ist.

Betretet die Welt von Tora-san in Shibamata

Nur fünf Gehminuten von Shibamata Taishakuten entfernt, befindet sich das Tora-san-Museum, das dem Vermächtnis von „Otoko wa tsurai yo“ („Es ist schwer, ein Mann zu sein“) gewidmet ist. Einer japanischen Filmreihe, die die Missgeschicke von Torajiro Kuruma (alias Tora-san), einem gutherzigen, aber vom Pech verfolgten Handelsreisenden aus Shibamata, erzählt. Die Reihe hält den Guinness-Weltrekord für die am längsten laufende Filmreihe mit einem einzigen Hauptdarsteller, und selbst wenn ihr die Filme nicht kennt, ist das Museum definitiv einen Besuch wert. Im Inneren erwarten euch interaktive Ausstellungen, detailgetreue Nachbildungen von Filmsets in Originalgröße und im Miniaturformat sowie Ausstellungen zur Geschichte von Shibamata.

Tora-san-Museum
  • Tora-san Museum


    ESTABLISHMENT MUSEUM POINT_OF_INTEREST
  • 6-chōme-22-19 Shibamata, Katsushika City, Tokyo 125-0052, Japan
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Außerdem gibt es ein angeschlossenes Museum, das das Leben von Yoji Yamada beleuchtet, dem Regisseur fast aller Tora-san-Filme, sowie das TORAsan Café, das einige klassische Desserts der Showa-Ära serviert. Mit einem Kombiticket können Besucher auch Yamamoto-tei besichtigen, ein wunderschön erhaltenes Wohnhaus mit charakteristischen Merkmalen der späten Taisho- und frühen Showa-Zeit. Es ist zudem ein beliebter Ort, um eine Pause einzulegen und bei einer Tasse Tee oder japanischen Süßigkeiten den traditionellen Shoin-Garten zu bewundern.

  • TORAsan cafe


    CAFE ESTABLISHMENT FOOD
  • 6-chōme-22-19 Shibamata, Katsushika City, Tokyo 125-0052, Japan
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Yamamoto-tei-Garten in Shibamata

Das Tora-san-Museum ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 500 Yen für Erwachsene und 300 Yen für Kinder und Studenten. Besucher ab 65 Jahren erhalten eine ermäßigte Eintrittskarte für 200 Yen. Alternativ gibt es eine Kombikarte für 600 Yen, die den Eintritt sowohl ins Tora-san-Museum als auch ins Yamamoto-tei beinhaltet.

  • Yamamoto-tei


    CAFE ESTABLISHMENT FOOD
  • 7-chōme-19-32 Shibamata, Katsushika City, Tokyo 125-0052, Japan
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Spaziergang entlang des Edo-Flusses

Direkt vor dem Museum führt ein erhöhter Fußweg zum Ufer des Edo-Flusses. Hier befindet sich auch das Shibamata-Fahrradverleihzentrum – in idealer Lage! Denn entlang des Flusses verlaufen einige der besten Radwege Tokios. Außerdem gibt es zahlreiche Parks, Blumengärten und die Yagiri-Fähranlegestelle, eine Fährplattform aus der frühen Edo-Zeit. Sie ist bekannt dafür, zahlreiche Lieder und Romane inspiriert zu haben, und ist heute die einzige traditionelle Fährverbindung auf dem Fluss in Tokio.

Boote auf dem Edo-Fluss

Die Yagiri-Fähre ist in den Sommermonaten täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet, im Winter jedoch nur an Wochenenden und zu besonderen Anlässen. Bei schlechtem Wetter kann der Betrieb kurzfristig eingestellt werden. Eine einfache Fahrt kostet lediglich 200 Yen.

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Anfahrt nach Shibamata

Shibamata ist überraschend einfach und in weniger als 30 Minuten mit dem Zug zu erreichen:

  • Vom Bahnhof Keisei-Ueno nehmt ihr die Keisei-Kanamachi-Linie direkt zum Bahnhof Shibamata, dem Haupttor zur Stadt. Alle Sehenswürdigkeiten sind bequem zu Fuß erreichbar.
  • Vom Bahnhof Nippori fahrt ihr mit der Keisei-Linie zum Bahnhof Keisei Takasago, steigt dort in die Keisei-Kanamachi-Linie um und fahrt weiter zum Bahnhof Shibamata.
  • Und vom Bahnhof Otemachi nehmt ihr die Tozai-Linie (Express nach Tsudanuma) zum Bahnhof Nihombashi, steigt dort in die Asakusa-Linie um und fahrt weiter zum Bahnhof Keisei Takasago. Dort steigt ihr, wie bei den anderen Verbindungen, in die Keisei-Kanamachi-Linie um und fahrt bis Shibamata.
  • Mit dem Auto ist Shibamata über die Shuto-Autobahn nur etwa 45 Minuten vom Zentrum Tokios entfernt.

Titelfoto: mos design
Übersetzung von Yvonne Tanaka.

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