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In Japan gibt es zwei Hauptreligionen, den Shintoismus und den Buddhismus, die Teil des täglichen Lebens der Japaner sind. Religion und Spiritualität besitzen eine bedeutende Rolle in der japanischen Gesellschaft. Wir können das durch die zahlreichen Matsuri (Feste, die mit vielen Aspekten der japanischen Kultur, normalerweise der Religion, verbunden sind) oder durch die verschiedenen Feiertage, die das Jahr oder sogar den Rhythmus der Städte bestimmen, spüren. Egal wo ihr seid, ob in einem ruhigen Viertel auf dem Land oder in der Innenstadt von Tokio, ihr werdet nie weit von einem Tempel oder einem Schrein entfernt sein, egal ob groß oder klein.

Tempel und Schreine in Japan: Tengu Statue beim Berg Takao.
Eine Tengu-Statue beim Berg Takao in der Nähe von Tokio. ⎪ Foto: Joachim Ducos

Viele Touristen kommen jedoch nach Japan, ohne die Komplexität und Bedeutung der Religion im japanischen Archipel zu kennen. Nachdem ihr diesen Artikel gelesen habt, werdet ihr in der Lage sein, zwischen Tempeln und Schreinen zu unterscheiden und einige Begriffe in Bezug auf diesen Glauben gelernt haben.

Shintoismus und Buddhismus: Die zwei Hauptreligionen in Japan

Um die Unterschiede zwischen Schreinen und Tempeln zu verstehen, müsst ihr zunächst diese beiden Religionen in Japan unterscheiden können.

Die Shintō-Religion (神道) oder auch der „Weg der Götter“, in ihrer wortwörtlichen Übersetzung, ist die Hauptreligion in Japan (mehr als 90 Millionen Gläubige bei 126 Millionen Einwohnern im Land). Es ist eine polytheistische Religion, in der Kami (神) „Gottheiten“ verehrt werden, die sich auf verschiedene Elemente und Aspekte des Lebens beziehen (wie Sonne, Wind, Donner, Ernte und Fruchtbarkeit). Diese Religion basiert auf der japanischen Mythologie, die im Kojiki (古事記), den „Aufzeichnungen antiker Geschehnisse“, niedergeschrieben ist.

Dach von einem Tempel in Japan.
Die Details und Symmetrien eines Tempeldachs. ⎪ Foto: Charles Postiaux

Der Buddhismus (仏教), auf Japanisch „bukkyo“, kam im 5. und 6. Jahrhundert aus China und Korea, obwohl die Daten je nach Quelle variieren können. Im Laufe der Zeit hat sich der Buddhismus in die japanische Kultur integriert und sich manchmal sogar mit dem Shintoismus vermischt.

Wie erkennt man einen Schrein?

Obwohl ich viel über die japanische Religion gelernt hatte, bevor ich mich in Japan niederließ, war ich erst in der Lage, ihre Bedeutung zu verstehen und den Unterschied zwischen Schreinen und japanischen Tempeln zu erkennen, als ich hier ankam und die Kulturstätten besuchte.

Schreine werden auf Japanisch normalerweise Jinja (神社) oder Taisha (大社) genannt. Sie sind die Orte der Shintō-Verehrung, die auf verschiedene Arten erkennbar sind. Zum Beispiel gehen die meisten Touristen, die Tokio besuchen, zum Meiji Jingu, ohne zu wissen, dass sie einen Schrein besucht haben. Wenn „jingu“ (神宮), „jinja“ oder „taisha“ im Namen einer Kulturstätte steht, dann handelt es sich um einen Schrein.

Das Torii-Tor ist der Eingang von Schreinen

Am Eingang von Schreinen wird es immer ein Torii (鳥居) geben, ein Tor, das den Eintritt in einen heiligen Ort ankündigt. Torii-Tore sind normalerweise zinnoberrot, da es die Hauptfarbe in japanischen Schreinen ist. Sobald das Torii überquert ist, befinden wir uns in der heiligen Einfriedung des Schreins.

Torii-Tore an einem Schrein in Nara.
Torii-Tore am Eingang eines Schreins in der Präfektur Nara. ⎪ Foto: Joachim Ducos

Der Haiden, der Ort für Opfergaben in Schreinen

Dann gehen wir die Hauptstraße entlang, die auf Japanisch Sandō (参道) genannt wird und uns zum Gebetshalle namens Haiden (拝殿) führt, wo sich die Menschen versammeln, um zu beten und Opfergaben darzubieten.

Der Haiden am Kushida Schrein in Fukuoka.
Der Haiden am Kushida Schrein in Fukuoka. ⎪ Foto: Joachim Ducos

Shimenawa und Shide: Eintritt in das Reich der Götter

Noch bevor wir den Haiden erreichen, erkennen wir, dass wir uns in einem Heiligtum befinden. Wenn ihr geflochtene Seile mit daran hängenden Papierstreifen seht, die an den Torii-Toren oder dem Haiden befestigt sind, bedeutet dies, dass ihr euch in einem Schrein befindet. Diese geflochtenen Seile werden aus Reisstroh hergestellt und heißen Shimenawa (注連縄). Sie sind das Bindeglied zwischen unserer Welt und dem Reich der Götter, dem Territorium verschiedener Kami. Die am Shimenawa hängenden Papierstreifen werden Shide (紙垂) genannt. Diese Ornamente sollen böse Geister abwehren.

Shimenawa, das Bindeglied zwischen unserer Welt und dem Reich der Götter.
Das Shimenawa von einem Schrein auf der Insel Taketomi, Okinawa. ⎪ Foto: Joachim Ducos

Wenn ihr ein außergewöhnliches Shimenawa entdecken möchtet, dann macht euch auf den Weg zum Izumo-Taisha-Schrein, der das größte Shimenawa in Japan besitzt. In der Regel wird dieses alle 4 bis 8 Jahre gewechselt und sein Design ist eine wahre Herausforderung.

Izumo-Taisha-Schrein
Der Izumo-Schrein und sein berühmtes Shimenawa. ⎪ Foto: Todd Fong

Komainu: Die Löwenhund-Wächter in japanischen Schreinen

Weitere Elemente, die leicht zu erkennen sind und von denen ich bei jedem Schreinbesuch viel Zeit damit verbringe, Fotos zu machen, sind die Komainu (狛犬). Diese löwenähnlichen, hundeartigen Kreaturen (inu 犬auf Japanisch ist das Kanji für „Hund“) sind immer paarweise am Eingang von Schreinen oder vor den Haiden zu finden. Diese majestätischen Bestien dienen als Wächter von Schreinen und vertreiben böse Geister. Einer von ihnen wird häufig mit geöffnetem Maul und der andere mit geschlossenem Maul dargestellt.

Die Komainu mit geöffnetem Maul sprechen den Laut „a“ aus, der dem ersten Buchstaben des Sanskrit-Alphabets (religiöse Sprache des Buddhismus und Hinduismus) entspricht. Im Gegensatz dazu spricht der mit geschlossenem Maul den Laut „um“ aus, der dem letzten Buchstaben des Sanskrit-Alphabets entspricht. Zusammen bilden sie den Laut „aum“ (ॐ), eine heilige Silbe im Buddhismus. Diese Kombination bedeutet den Anfang und das Ende aller Dinge. Wie ich bereits erwähnt habe, können wir hier den Einfluss des Buddhismus innerhalb eines Shintō-Schreins selbst deutlich sehen.

Die Priester, die in Schreinen leben

Als ich meine Wanderungen in Japan begann, bemerkte ich, dass der einfachste Weg, um herauszufinden, ob ich in einem Tempel oder einem Schrein war, darin bestand, sich die Priester anzuschauen, die sich um diese heiligen Stätten kümmerten. Priester, die in Schreinen arbeiten, werden Kannushi (神主) oder Shinshoku (神職) genannt, sie tragen normalerweise, je nach Bekleidung, einen bestimmten Kopfschmuck, während buddhistische Mönche keinen tragen.

Ein Priester bei einer religiösen Zeremonie in einem Schrein.
Ein Priester während einer religiösen Zeremonie. ⎪ Foto: Todd Fong

Wie erkennt man einen Tempel in Japan?

Japanische Tempel werden „tera“ (寺) genannt, manchmal mit dem vorangestellten Höflichkeitspräfix „o“ als Zeichen des Respekts, eine Formel, die regelmäßig in Japan verwendet wird. Der zweite Name, für Tempel auf Japanisch, lautet „ji“ (das Kanji ist das gleiche wie bei „tera“). Ein letztes Kanji, welches sich ebenfalls auf einen Tempel beziehen kann, ist das Kanji „in“ (院). Nach dieser Erklärung sind der Hozan-ji (宝山寺) in Nara, der Yoshimine-dera (善峯寺) in Kyoto und der Nanzo-in (南蔵院) in Fukuoka drei Tempel, die jeweils ein anderes Ende bei ihrer Aussprache besitzen.

Der Kofoku-ji Tempel in Nara.
Der Kofoku-ji Tempel in Nara. ⎪ Foto: Joachim Ducos

Manji: Das bedeutsamste religiöse Symbol im Buddhismus

Für Personen aus dem Westen, die sich mit dem Buddhismus nicht wirklich auskennen, gibt es etwas Wichtiges zu wissen: Das Manji (卍) ist eines der wichtigsten religiösen Symbole im Buddhismus. Auf Reisen in Japan werdet ihr viele von ihnen sehen, sei es in Tempeln oder sogar auf Karten, die darauf hinweisen, dass es sich tatsächlich um einen Tempel handelt.

Es ist wichtig zu wissen, dass das Manji ein altes Symbol ist, obwohl die Nazis dessen umgekehrte Version, „Gyaku Manji“ („gyaku“ 逆 bedeutet „Umkehrung“ auf Japanisch) genannt, während des 2. Weltkriegs verwendeten. Daher müsst ihr euch nichts dabei denken, wenn ihr das Symbol auf euren Reisen an diesen heiligen Orten findet.

Das Manji Symbol in einem Tempel in Japan.
Das Manji über einer Statue in einem Tempel, Innenstadt von Osaka. ⎪ Foto: Gaël

Rōmon und Sōmon: Die Haupttore japanischer Tempel

Das Rōmon (楼門), „Turmtor“ und das Sōmon (総門), „Haupttor“, befinden sich am Eingang von Tempeln und dienen als Eingangstüren zum heiligen Gelände des Ortes.

Rōmon, der Eingang zu einem Tempel.
Das Rōmon am Eingang eines Tempels in Tokio. ⎪ Foto: Joachim Ducos

Bonshō: Die Tempelglocken

Die Bonshō (梵鐘) sind die Glocken, die sich im Inneren der Tempelanlagen befinden. Sie sind normalerweise ziemlich groß und ihr werdet sie schon von weitem bemerken. Diese Glocken werden während des Gebetsrufs geläutet und zeigen die Zeit an. Sie sind leicht zu erkennen und weisen hinsichtlich ihrer Gravuren immer ähnliche Merkmale auf.

Bonshō, die Tempelglocke.
Die Bonshō eines Tempels in Iiyama. ⎪ Foto: Todd Fong

Die Niō-Wächter

Es kann passieren, dass ihr am Eingang von Tempeln auf die Komainu stoßen werdet (mehr dazu später, warum ihr eine Shinto-Ikone in einem Tempel sehen könnt), aber normalerweise sind es die Niō-Wächter (仁王) oder auch Kongō-rikishi (金剛力士) genannt, die den Ort beschützen. Sie besitzen den gleichen Zweck wie die Komainu in Schreinen, sind aber viel größer und beeindruckender. Ich lasse euch selbst urteilen.

Wenn ihr auf der Suche nach ungewöhnlichen Niō-Wächtern seid, kann ich euch nur empfehlen, mehr über den Futago-ji zu lesen, einen Tempel in der Präfektur Oita, umgeben von Bergen mit zahlreichen Niō-Statuen in einer einzigen Landschaft.

Niō-Wächter am Futago-ji Tempel.
Niō-Wächter im Futago-ji-Tempel auf der Halbinsel Kunisaki. ⎪ Foto: Clémentine Cintré

Buddha-Statuen

Eines der wichtigsten Dinge für mich, wenn ich einen Tempel besuche, sind die Statuen. Ich bin immer auf der Suche nach verschiedenen Darstellungen buddhistischer heiliger Wesen. Die häufigsten Statuen, die ihr sehen werdet, stellen die von Amida Nyorai (阿弥陀如来, Amida Buddha), von Kannon (Bodhisattva des Mitgefühls) oder auch die von Fudō-myōō (不動明王, eine der fünf Myōō ) dar. Wie ihr wahrscheinlich verstanden habt, sind die Tempel voller Buddhastatuen, was dem Ort eine besondere Atmosphäre verleiht.

Amida Nyorai ( Buddha)
Amida Nyorai (Amida Buddha) im Kōtokuin-Tempel, Kamakura. ⎪ Foto: Joachim Ducos

Warum ist es so schwierig diese beiden Orte zu unterscheiden?

Nach all diesen Erklärungen denkt ihr wahrscheinlich, dass ihr bei eurer nächsten Reise keinerlei Fehler machen werdet. Aber da wäre ich mir leider nicht so sicher. Wie ihr vielleicht beim Lesen des Artikels bemerkt habt, gibt es viele Ähnlichkeiten zwischen Tempeln und Schreinen. Es ist die Folge der komplexen Geschichte Japans und der Mischung zwischen den beiden Religionen im Laufe der Jahrhunderte. Diese Mischung besitzt ebenfalls einen Namen: Synkretismus.

Der Shintoismus und der Buddhismus verschmolzen im Laufe der Jahrhunderte, was heute zu religiösen Ähnlichkeiten im Glauben und in den Kulturstätten geführt hat. Deshalb entwickelten sich einige Orte zu „Tempel-Schreinen“ (神宮寺), wo die beiden Religionen miteinander verbunden sind. Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass ihr trotz aller Erklärungen zum Beispiel auch Torii-Tore, Komainu oder Shimenawa vor Tempeln finden könnt. Diese Komplexität ermöglicht ein besseres Verständnis der japanischen Kultur und hilft auch zu erkennen, dass einige religiöse Aspekte kulturell und von allen Japanern geteilt werden, unabhängig von ihrem Glauben.

Wenn ihr das nächste Mal einen Tempel oder einen Schrein besucht, müsst ihr nur darauf achten, was um euch rum ist. Wenn ihr ein zinnoberrotes Torii-Tor am Eingang eines Schreins oder Manjis in einem Tempel findet, dann könnt ihr den Unterschied erkennen. Denn trotz der Ähnlichkeiten ist es immer noch möglich herauszufinden, ob ihr euch in einem Tempel oder einem Schrein befindet.

Übersetzung von Yvonne.

Gaël

Gaël

Je m’appelle Gaël, j’ai 23 ans et je suis originaire du sud est de la France. Je suis arrivé au Japon en juin 2019, et je vis à Osaka depuis cette date. Je suis passionné par La culture japonaise, son Histoire, ses religions, ses traditions et son folklore. Ma principale passion étant l’ukiyoe (les estampes japonaises) et le tatouage traditionnel japonais.

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