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Frühling in Tokio: Den Osten von Japans Hauptstadt entdecken

FEATURED Frühling Kirschblüten Tokio
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Nur noch wenige Wochen trennen uns vom Frühling in Tokio. Jener Jahreszeit, in der sich die Stadt langsam in ein Meer aus Blüten verwandelt. Für viele führt der Weg dann automatisch nach Nakameguro, Chiyoda oder zu anderen bekannten Sakura-Hotspots. Und das kann ich gut verstehen. Schließlich sieht man in den sozialen Medien meist nur die schönen Seiten dieser Orte. Gleichzeitig weiß ich aus eigener Erfahrung: Wer sich dorthin wagt, stellt sich auf volle Straßen, Gedränge und unzählige Menschen ein, die auf der Suche nach dem perfekten Instagram-Moment sind. Keine Atmosphäre, in der man den Frühling in Tokio wirklich genießen kann, wenn ihr mich fragt.

Deshalb möchte ich euch heute auf eine etwas andere Frühlingsroute mitnehmen. Östlich des Sumida-Flusses, hinein in das Herz von Tokios Shitamachi-Bezirken. In jene traditionellen Viertel, in denen Handwerkskunst, Nachbarschaft und lokale Spezialitäten noch zum Alltag gehören. Genau hier liegen einige meiner liebsten Orte, um den Frühling in Tokio ganz in Ruhe zu erleben.

Pflaumenblüten und Blauregen in Kameido

Bevor ich euch auf eine Kirschblütentour durch Tokios Osten mitnehme, stelle ich euch noch zwei weitere Frühjahrsblüher vor, die mich jedes Jahr aufs Neue begeistern. Denn wer bereits vor der Kirschblütensaison im Frühling nach Tokio reist, wird mit der Pflaumenblüte belohnt. Und mit ihrem zarten, süßlichen Duft, den Kirschblüten bekanntlich nicht haben.

Die Ume-Blüten beginnen häufig bereits im Januar oder Februar zu blühen und halten, je nach Sorte, bis in den März an. Mein liebster Ort, um diesen frühen Frühjahrsboten zu begrüßen, ist der Kameido-Tenjin-Schrein im gleichnamigen Viertel Kameido. Ein Paradebeispiel für einen Shitamachi-Bezirk. Rund um die Schreinanlage finden sich kleine Süßwarenläden, Händler und traditionelle Restaurants, die das Viertel von Generation zu Generation am Leben erhalten.

Mit rund 250 Bäumen beginnt hier Anfang Februar das jährliche Pflaumenblütenfestival und reicht bis in den März hinein. Doch selbst Mitte Januar lassen sich oft schon die ersten Knospen und Blüten entdecken. Für mich ist das immer der Moment, in dem sich der Winter langsam verabschiedet und der Frühling zum ersten Mal spürbar wird.

Aber nicht nur wer zu früh für die Kirschblüten kommt, sondern auch wer zu spät nach Japan reist, kommt am Kameido-Tenjin auf seine Kosten. Ab etwa Mitte April verwandelt sich die Anlage in ein blau-violettes Blütenmeer. Der Blauregen, mein persönlicher Lieblingsfrühblüher, ist das Aushängeschild Kameidos und vor allem auch bei den Einheimischen beliebt. Mein persönlicher Tipp: Besucht den Schrein zu dieser Zeit möglichst unter der Woche. Auch an Regentagen lohnt sich ein Besuch.

  • Kameido-Tenjin-Schrein


    PLACE OF WORSHIP
  • 3 Chome-6-1 Kameido, Koto City, Tokyo 136-0071, Japan
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Kirschblüten im Frühling in Tokio: Sumida River Walk

Starten wir nun mit unserer Kirschblütentour, die direkt am Sumida-Fluss beginnt, der seit Jahrhunderten die Lebensader der Shitamachi-Gegenden bildet. Denn genau hier, nur wenige Gehminuten von Asakusa entfernt, verwandeln über 500 Kirschblütenbäume die östliche Seite des Flusses jedes Jahr von etwa Mitte März bis Anfang April in ein weißes Meer aus bauschigen Kirschblüten.

Sumida River Walk

Am Wochenende ist der Sumida River Walk gut besucht, doch unter der Woche lässt sich das Schauspiel erstaunlich entspannt genießen. Zwar sind dann nicht alle Essensstände entlang der gut einen Kilometer langen Strecke geöffnet, aber das nehme ich gern in Kauf. Dafür lässt sich das Zusammenspiel aus Kirsch- und leuchtend gelben Rapsblüten mit dem Tokyo Skytree im Hintergrund fast ohne Gedränge erleben.

  • Sumida River Walk


    POINT OF INTEREST
  • 1 Chome Mukojima, Sumida City, Tokyo, Japan
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Wer es noch ruhiger mag, verlässt den Fluss an der ikonischen Sakurabashi-Brücke, bekannt aus dem Film Perfect Days von Wim Wenders, und wechselt auf die westliche Seite. Nicht, um Asakusas berühmten Senso-ji zu besuchen, sondern um einen kleinen buddhistischen Tempel aufzusuchen: den Matsuchiyama Shoden.

Der Tempel ist für sein Rettich-Motiv (jap. Daikon 大根) bekannt, das hier als Symbol für Harmonie gilt. Der angeschlossene Garten eröffnet eine wunderbar stille Perspektive auf Asakusa. Bei einem unserer Besuche werden sogar Rettiche an die Besucher verteilt, sodass wir, um zwei Daikon reicher, schließlich weiterziehen zu unserem eigentlichen Ziel: der Sakura-Straße direkt hinter dem Tempel.

  • Matsuchiyama Shoden


    TOURIST ATTRACTION
  • 7 Chome-4-1 Asakusa, Taito City, Tokyo 111-0032, Japan
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Gesäumt von Kirschbäumen auf beiden Seiten zieht die knapp 200 Meter lange Straße vor allem Anwohner an, die hier ihr Hanami genießen. Und das völlig zu Recht. Wir stießen eher zufällig bei einer unserer Radtouren durch Tokios Osten auf diesen Ort. Während sich in Asakusa die Menschenmengen unter den Kirschbäumen drängen, scheint diese Straße tatsächlich nur den Einheimischen bekannt zu sein.

Ohne Mühe finden wir ein ruhiges Plätzchen unter der rosa Blütenpracht und genießen unsere mitgebrachten Bentos. Eigentlich wollen wir sie am Sumida River Walk essen. Rückblickend sind wir sehr froh, dass wir uns umentscheiden.

Kirschblüten in Kinshi

Vom Sumida River Walk aus spazieren wir weiter in Richtung Skytree, passieren den ruhigen Ushijima-Schrein und erreichen schließlich Kinshi. Den Stadtteil, den wir unser Zuhause nennen. Als wir vor knapp vier Jahren hierherziehen, hätten wir nie gedacht, dass sich einer der schönsten Kirschblüten-Spots Tokios praktisch direkt vor unserer Haustür befindet. Doch genau das ist der Fall.

Der Kinshi-Park, nur wenige Gehminuten vom Bahnhof Kinshicho entfernt, verwandelt sich jedes Frühjahr in ein beeindruckendes Blütenmeer aus zarten weißen und rosafarbenen Sakura. Über 160 Kirschbäume säumen die weitläufigen Wege und Wiesen des rund 56.000 Quadratmeter großen Parks, der sonst vor allem als Sport- und Erholungsfläche genutzt wird. Während der Hanami-Zeit liegt ein ganz besonderer Zauber in der Luft: Familien breiten ihre Picknickdecken aus, Freunde stoßen mit Dosenbier an, und über allem schwebt der Blick auf den Tokyo Skytree, der hinter den Blüten hervorragt. Einer dieser Momente, die den Frühling in Tokio so unvergesslich machen.

Wer zum Hanami hierherkommt, sollte unbedingt eine Decke und ein paar Snacks einpacken. Alternativ bieten sich die umliegenden Shoppingcenter wie Arca Kit oder Kinshicho Marui an, um sich spontan mit einem Bento oder Süßigkeiten einzudecken. Gerade das macht den Kinshi-Park so angenehm: Er ist zentral, unkompliziert und dennoch erstaunlich entspannt.

An den Wochenenden ist zur Kirschblütenzeit viel los, denn der Park ist bei Einheimischen äußerst beliebt. Daher empfehle ich euch einen Besuch unter der Woche, um die Sakura in einer deutlich ruhigeren Atmosphäre zu genießen. 

  • Kinshi-Park


    PARK
  • 4 Chome-15-1 Kinshi, Sumida City, Tokyo 130-0013, Japan
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Doch der Kinshi-Park ist nicht das einzige Kirschblütenparadies in diesem Viertel, auch der Sarue-Park gehört für mich zu den schönsten Orten für Hanami in der Umgebung. Wer den etwas längeren Spaziergang vom Bahnhof nicht scheut, wird mit einer spürbar ruhigeren, fast schon entschleunigten Atmosphäre belohnt. Der weitläufige Park erstreckt sich entlang kleiner Wasserläufe und Kanäle, zwischen offenen Wiesen, Sportflächen und schattigen Wegen, die von Kirschbäumen gesäumt sind. Gerade zur Blütezeit finden wir uns hier häufiger wieder, fernab der bekannten Spots, und können unser ganz persönliches Hanami ohne die Massen an anderen Besuchern genießen.

  • Sarue-Park


    PARK
  • 2 Chome-13-7 Mori, Koto City, Tokyo 135-0002, Japan
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Am Ende ist es genau das, was Tokios Osten mit seinen Shitamachi-Vierteln für mich so besonders macht: Der Frühling fühlt sich hier leiser, ehrlicher und näher am Alltag an. Zwischen Schreinen, kleinen Parks und Nachbarschaftsstraßen wird Hanami nicht zur Attraktion, sondern zu einem Moment des Innehaltens. Wer bereit ist, die bekannten Hotspots hinter sich zu lassen, entdeckt hier ein Tokio, das nicht nur blüht, sondern sich auch wirklich erleben lässt.

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Yvonne Tanaka

Ursprünglich aus Berlin, habe ich in Japan meine zweite Heimat gefunden. Fasziniert vom Land, der Kultur und den Menschen, zieht es mich bereits seit 2012 regelmäßig in das Land der aufgehenden Sonne. Nach einem einjährigen Studienaufenthalt und einem Praktikum, zieht es mich 2022 wieder zurück in meine alte Heimat, in das Zentrum von Tokio.

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