Super Mario & Co.: die Helden meiner Jugend, mit denen ich zahlreiche Stunden vor der Spielekonsole verbracht habe. Auch heute sind die Charaktere und Spiele von Nintendo vielen Menschen ein Begriff und man kommt nicht nur in Japan neben Super Mario, auch an Pokémon, Zelda oder Donkey Kong kaum vorbei. Nachdem ich mich erst sehr über die Eröffnung der Super Nintendo World in den Universal Studios in Osaka gefreut hatte, kam noch mehr Freude auf, als Herbst 2024 das Nintendo-Museum in Kyoto eröffnete. Bis wir es endlich besuchen konnten, hat es zwar eine ganze Weile gedauert, aber hier möchte ich meinen Erfahrungsbericht mit euch teilen.
Die Geschichte von Nintendo
Nintendo ist heute einer der bekanntesten Namen der Videospielwelt und hat Generationen von Spielern weltweit geprägt. Doch nur wenige wissen, dass die Geschichte des Gaming-Giganten Nintendo weit über Videospiele hinausgeht und mehr als 130 Jahre zurückreicht. Denn ursprünglich wurde Nintendo im Jahre 1889 als Spielkartenmanufaktur von Fusajiro Yamauchi in Kyoto gegründet. Damals drehte sich alles um die Produktion von Hanafuda-Spielkarten, traditionelle japanische Spielkarten, übersetzt „Blumenkarten“ 花札, mit detaillierten Blumenmotiven aus den verschiedenen Jahreszeiten.
In den 1960er- und 1970er-Jahren begann Nintendo mit der Entwicklung von elektronischem Spielzeug, darunter frühe Lichtpistolen, Reaktionsspiele und Haushaltsgeräte mit spielerischem Ansatz. Der Durchbruch kam dann in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren mit Arcade-Spielen und Heimkonsolen. Ein besonderer Meilenstein ist der Release der Spielekonsole Famicom (international als NES bekannt), die 1983 erschien und die Videospielindustrie nachhaltig veränderte. Es folgten zahlreiche Varianten des Game Boy, die Nintendo 64, Game Cube, Nintendo Wii, Nintendo Switch und viele mehr. Und so ist Nintendo heutzutage aus dem Leben vieler nicht mehr wegzudenken.
Das Nintendo-Museum in Uji, Kyoto
Das Nintendo-Museum, welches am 2. Oktober 2024 eröffnet wurde, schaut auf die außergewöhnliche Entwicklung Nintendos von einer Spielekartenmanufaktur zum globalen Videospielekonzern. Auch der Standort Uji, südlich von Kyoto, ist dabei keine Überraschung, denn genau hier betrieb Nintendo über Jahrzehnte hinweg Fabriken und Entwicklungsstätten, lange bevor das Unternehmen weltweit bekannt wurde. Das Museumsgebäude selbst ist ein umgebauter Industriekomplex, der früher für die Produktion von Hanafuda-Spielkarten genutzt wurde.
Am einfachsten erreicht ihr das Museum mit der Bahn via den Bahnhöfen Ogura Station (Kintetsu-Linie) und JR Ogura Station (JR Nara-Linie). Die Fahrt dauert vom Bahnhof Kyoto etwa 20 Minuten. Hinzu kommt dann jeweils ein kurzer Spaziergang bis zum Museum. Wir haben vor unserem Besuch Uji erkundet und von dort einen Bus genommen, der direkt vor dem Museum hält. Am Eingang gibt es Schließfächer für größere Gepäckstücke. Nehmt auch zu Kenntnis, dass ihr keine Lebensmittel, außer nichtalkoholischen Getränken in verschließbaren Flaschen, mit hineinnehmen dürft (ausgenommen Babynahrung etc.) und diese Sachen ebenfalls im Schließfach lagern müsst.
Das Museum ist in zwei Etagen aufgeteilt. In der oberen Etage, in die ihr zuerst geleitet werdet, gibt es eine riesige Ausstellungsfläche zur Geschichte von Nintendo. Hier sind keine Fotos erlaubt, was ich sogar ganz angenehm fand, denn so konnte man sich mehr auf die unendlichen Einzelteile konzentrieren, die man in den Vitrinen sieht. In der unteren Etage befindet sich dann der aktive Spielbereich, wo es einiges zu erleben gibt.
Der Ausstellungsbereich des Nintendo-Museums
Im Museum seht ihr, wie Nintendo sich im 20. Jahrhundert immer wieder neu ausrichtete: von Spielkarten über Brettspiele bis hin zu ungewöhnlichen Experimenten. Den Ausgangspunkt der Ausstellung bilden natürlich Hanafuda-Spielkarten, wobei hier Originalkarten, historische Druckwerkzeuge und alte Firmenlogos zeigen, wie viel handwerkliche Präzision und ästhetisches Gespür schon damals zur DNA des Unternehmens gehörten.
Während ihr vor Ort auch einen Teil der analogen Spiele wiederfindet, ist ein zentraler Abschnitt des Museums natürlich dem Übergang zur Elektronik gewidmet. Die Videospielgeschichte von Nintendo nimmt hierbei einen großen Raum ein. Als Besucher seht ihr originale Spielgeräte, frühe Arcade-Automaten und Prototypen, die heute als Meilensteine gelten. Meine erste Spielekonsole, die ich damals als Weihnachtsgeschenk erhalten habe, war die Nintendo 64, und so habe ich einige Zeit vor dieser Vitrine verbracht und in Erinnerungen geschwelgt. Vor allem ist es aber auch interessant, die Unterschiede von den von mir bekannten deutschen Spielen zu den japanischen Verpackungen zu sehen.
Es gibt mit der Art Gallery auch einen kleinen Bereich, der sich den Ikonen von Nintendo widmet: Super Mario, The Legend of Zelda, Kirby, Donkey Kong und andere. Hier seht ihr Skizzen, frühe Animationen und Storyboards. Ein besonderer Einblick in die kreative Welt von Nintendo.
Der Gaming-Bereich des Nintendo-Museums
Nach dem Tauchgang in die Geschichte von Nintendo, wird es Zeit selbst aktiv zu werden: und da hat das Museum vieles zu bieten. Neben kreativen Fotospots im Außenbereich lädt vor allem die Gaming-Etage zu körperlichen Aktivitäten ein. Hier gibt es allerdings einen Knackpunkt: Man kann nicht alles ausprobieren. Mit seiner persönlichen Gaming-Card, die man beim Einlass erhält (darauf sind Name, Datum und, wenn man möchte, sein eigener Mii-Charakter), erhält jeder Spieler zehn Münzen, die er dann für Spiele einsetzen kann. Eine Übersicht, welches Spiel, wie viele Münzen kostet, gibt es auf der offiziellen Webseite. So könnt ihr bereits vorher planen und rechnen.
Natürlich sind beliebte Spiele teurer als einfache Games. Zu den beliebten Bereichen gehören die Spiele mit übergroßen Controllern, und auch wir konnten es nicht lassen und haben zu zweit versucht, an einem riesigen Famicom-Gerät eine Runde Mario Kart zu spielen. Mehr oder minder erfolgreich, aber mit jeder Menge Spaß. Vor allem liebte ich die Atmosphäre dabei, denn während man auf seine Spielzeit wartete, konnte man mit den anderen Spielern vor einem Mitfiebern, und das war auch teils lautstark spürbar. Für weniger Coins kann man an regulären Konsolen spielen, mit seinem Schatten Spiele kontrollieren oder mit einem Baseballschläger versuchen, Bälle auf Objekte in einem Zimmer zu treffen. Der interaktive Gaming-Bereich macht unendlich viel Spaß und ich hätte dort ewig Zeit verbringen können, wahrscheinlich der Grund, warum Nintendo mit den Münzen die Spieloptionen limitiert.
Wenn ihr Lust habt, gibt es auch noch die Möglichkeit, bei einem Workshop für 2.000 Yen ein eigenes Hanafuda-Spielkartenset zu gestalten, oder im Play Room für 500 Yen pro Person das traditionelle Spiel auszuprobieren.
Museumsshop und Café
Kein Nintendo-Besuch wäre komplett ohne Merchandise. Der Museumsshop bietet exklusive Artikel, die es teilweise nur hier zu kaufen gibt. Dazu zählen Designobjekte, Bücher, Reproduktionen alter Spielkarten und hochwertige Sammlerstücke. Und ehrlich: Hätte ich den Platz und das nötige Kleingeld, hätte ich mir zu gern ein oder zwei der tollen Controller-Kissen mitgenommen. Da beliebte Artikel schnell ausverkauft sein können, empfiehlt es sich bereits am Anfang einen Blick in den Shop zu werfen und seine Herzensstücke zu kaufen.
Zum Nintendo-Museum gehört in einem Nebengebäude auch das Hatena Burger Café. Hier könnt ihr eure eigenen Burger zusammenstellen oder schon vorgefertigte Kreationen bestellen. Zudem gibt es süße Speisen und Getränke. Geschmacklich zwar nicht umwerfend, aber auch hier zählt die Atmosphäre vor Ort. Und nach all den Aktivitäten ist es ein guter Ort für eine Pause.
Wie kommt ihr an Tickets für das Nintendo-Museum?
Kommen wir zum Schluss noch zu der Hauptfrage: Wie kommt ihr an Tickets für das Nintendo-Museum? Das ist auch über ein Jahr nach der Eröffnung nicht ganz so einfach, da es sich immer noch großer Beliebtheit erfreut.
Der Verkauf findet über die offizielle Nintendo-Museum-Ticket-Website statt, für welche ihr einen kostenlosen Nintendo-Account benötigt. Mit diesem könnt ihr euch mit drei Wunschtermine bei der Lotterie bewerben. Wenn ihr ausgelost wurdet, erhaltet ihr eine Benachrichtigung und könnt die Tickets online bezahlen. Für den Einlass erhaltet ihr dann einen QR-Code.
Die Bewerbungsphase für die Lotterie beginnt meist drei Monate vor dem Besuch. Das heißt, wenn ihr für April Tickets haben möchtet, müsst ihr euch bis Ende Januar in der Lotterie eintragen.
Wenn ihr kein Glück bei der Lotterie hattet (oder sie zeitlich verpasst habt), gibt es kurzfristige Phasen mit direktem Verkauf (First-Come-First-Served-Prinzip). Hierbei werden auf der Ticket-Webseite Zeitslots freigegeben, wo ihr die Tickets direkt kaufen könnt. Dafür gibt es allerdings keinen festgelegten Zeitpunkt, meist ist diese Phase aber um den 10. des Vorvormonats (also für Tickets für April um den 10. Februar).
Pro-Tipp: Folgt dem offiziellen X-Account des Nintendo-Museums und stellt die Benachrichtigungen an, denn dort wird der Start des Direktverkaufes mitgeteilt. So konnten wir unsere Tickets sichern.
Das Nintendo-Museum in Kyoto ist kein klassisches Technikmuseum, sondern eine liebevoll kuratierte Zeitreise durch Kreativität, Spielkultur und japanische Unternehmensgeschichte. Als Besucher hat man die Chance in Erinnerungen zu schwelgen und Spiele der besonderen Art auszuprobieren, und somit wird es zu einem unvergesslichen Erlebnis. Zudem lässt sich der Besuch im Museum perfekt mit einem Ausflug in die Stadt Uji verbinden, wo es auch vieles zu erkunden gibt.
Nintendo Museum
MUSEUM- Kaguraden-56 Oguracho, Uji, Kyoto 611-0042, Japan
- ★★★★☆