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Gochisousama Deshita und die Etikette dahinter

FEATURED Kultur Sprache Zum ersten Mal in Japan
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Im Westen endet eine Mahlzeit oft mit dem Bezahlen der Rechnung und einem gemächlichen Abschied. In Japan hingegen ist der Abschied ein einstudiertes Ritual, das durch einen einzigen Satz definiert wird: Gochisousama deshita. Wörtlich übersetzt bedeutet es „Es war ein Festmahl“, doch in Wahrheit drückt es die Anerkennung der Mühe aus, die vom Bauern bis zum Koch auf sich genommen wurde, um das Essen auf den Teller zu bringen.

Die japanische Etikette verlangt jedoch, dass die Dankbarkeit der Situation angepasst sein muss. Ein lautes „Gochisousama deshita“ in einem gehobenen Sushi-Restaurant in Ginza wirkt genauso deplatziert wie ein geflüstertes „Gochisousama deshita“ in einem lebhaften Soba-Stand. Um ein Restaurant angemessen zu verlassen, ist es wichtig, die spezifischen Gepflogenheiten des jeweiligen Lokals zu verstehen.

Der 500-Yen-Soba-Laden: Die effiziente Anerkennung

In der hektischen Atmosphäre eines Stehimbisses (Tachi-gui) oder eines günstigen Ramen-Lokals ist Effizienz der höchste Respekt. Es sind Orte des Übergangs, nicht der Entspannung.

  • Die Verabschiedung: Hier wird die Phrase oft verkürzt. Ein kurzes, deutliches „Gochisou-sama!“ beim Abstellen des Tabletts oder Aufstehen vom Hocker ist üblich.
  • Das Ziel: Ihr sucht nicht unbedingt Blickkontakt mit dem Koch, der vielleicht mit einem Dutzend Nudelschüsseln beschäftigt ist. Ihr kündigt euer Verlassen des Geschäfts einfach an.
  • Die Geste: Ein leichtes Nicken beim Gang zur Tür genügt. Schnelligkeit ist wichtig; verweilt nicht zum Plaudern. Das „Danke“ signalisiert, dass ihr den Platz für den Nächsten freigebt.

Das Izakaya der mittleren Preisklasse: Der kollektive Dank

In einem Izakaya oder einem legeren Familienrestaurant (Famiresu) richtet sich der Dank an das gesamte Personal.

  • Der richtige Zeitpunkt: Der Ausdruck wird typischerweise an der Kasse verwendet, wenn man nach der Rechnung fragt oder „O-kaikei“ sagt, während man bezahlt, oder wenn man sich zum Ausgang begibt.
  • Der Clou: Da es in diesen Umgebungen lauter ist, ist ein volles, deutliches „Gochisousama deshita“ angebracht. Es signalisiert dem Servicepersonal, dass euch das Essen gefallen hat. Wenn die Küche geöffnet ist, ist ein kurzes Nicken in Richtung der Köche beim Vorbeigehen eine elegante Geste.

Omakase oder Ryokan: Die intime Wertschätzung

Wenn ihr am Tresen sitzt, etwas in einem gehobenen Sushi- oder Tempura-Restaurant, oder in einem privaten Raum eines Ryokans speist, ist die Beziehung zwischen Gast und Koch besonders eng. Hier wird die Formulierung zum förmlichen Abschluss eines Vertrags.

  • Das Servieren: Man schreit nicht. Ihr wartet einen Moment der Stille, nachdem der letzte Gang (oft Tee oder Obst) abgeräumt wurde. Dann sucht ihr Blickkontakt mit dem Küchenchef oder Taisho, verbeugt euch leicht im Sitzen und sprecht das vollständige, höfliche „Gochisousama deshita“ in kontrollierter Stimme.
  • Der Informationsgewinn: Auf dieser Ebene folgt oft ein konkretes Kompliment. Anstatt eines allgemeinen „Es war gut“ erwähnt ihr beispielsweise eine bestimmte saisonale Zutat („Kohada ga totemo oishikatta desu“ – „Der Silberfisch war sehr lecker“). Dies zeigt, dass ihr ein aufmerksamer Gast wart.
  • Das Verlassen: In gehobenen Restaurants werdet ihr oft vom Küchenchef oder Manager zur Tür oder sogar auf die Straße begleitet. Zum Abschied solltet ihr ein letztes „Gochisousama deshita“ mit einer stehenden Verbeugung wiederholen.

Zum Abschluss: Ein Leitfaden zur Formulierung

  • Gochisou-sama: Ungezwungen. Wird verwendet an Imbissständen, Schnellimbissbuden und in Stehläden.
  • Gochisousama deshita: Höflich/Formal. Die Standardformel für fast alle Restaurants mit Bedienung.
  • O-kaikei onegai shimasu: „Die Rechnung, bitte.“ Verwendet diese Anrede, um den Zahlungsvorgang einzuleiten, bevor ihr euch bedankt.

Titelfoto: Lucas Law
Übersetzung von Yvonne Tanaka.

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