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Genau wie es bei persönlichen Interaktionen der Fall ist, folgen auch die üblichen Telefongespräche in Japan einem formalen Höflichkeitskodex. Meistens werdet ihr dabei Keigo (敬語), die formelle Höflichkeitsform der japanischen Sprache, zu hören bekommen. Telefongespräche spiegeln ebenfalls die Bedeutung der Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe oder einem Unternehmen wider. Aber woher genau kommt das ikonische „Moshi Moshi“, das im Japanischen verwendet wird, um ein Telefonat zu beantworten? Hier findet ihr jetzt ein paar hilfreiche Ausdrücke für ein Telefongespräch auf Japanisch.

Warum sagen Japaner „Moshi Moshi“, wenn sie ans Telefon gehen?

Die typische Begrüßung beim Abheben des Telefons ist もしもし (moshi moshi), mit dem das Gespräch begonnen wird. Der Ausdruck wird von 申します (mōshimasu) hergeleitet, einer höflichen Form des Verbs mōsu, welches „sagen“ bedeutet. Während es wortwörtlich mit „Ich werde etwas sagen“ übersetzt werden kann, bedeutet es in diesem Kontext so viel wie „Hallo, können Sie mich hören?“. Grundsätzlich ist Moshi Moshi eine Aufforderung zur Bestätigung, dass eine Telefonverbindung hergestellt wurde.

Telefongespräch auf Japanisch: Beginnt ein Telefongespräch mit "Moshi Moshi".
Ein Telefongespräch auf Japanisch mit „Moshi Moshi“ zu beginnen, ist eine Möglichkeit das Gespräch zu starten.

Während der Meiji-Zeit wurde Moshi von Aristokraten und Bürokraten verwendet, nachdem die ersten Telefonleitungen in Japan 1897 eröffnet wurden. Um eine andere Person anzurufen, musste man sich zuerst mit einer Telefonzentrale verbinden. Üblicherweise wurde dort mit „Moshi“, wie in „Ich werde etwas sagen“, geantwortet. Dieses „Moshi“ wurde wenigstens einmal wiederholt, weil die Verbindung häufig schlecht war und es daher normal war, die Person am anderen Ende nicht zu hören oder zu verstehen. So wurde das Wiederholen von Moshi nach und nach zu einer Standard-Telefonbegrüßung, ähnlich wie es mit unserem „Hallo?“ ist.

Wie man nach einem Freund am Telefon fragt

Wenn ihr bei einem Freund zu Hause anruft, beginnt ihr zunächst mit dem berühmten Moshi Moshi, als freundliche Begrüßung. Dann stellt ihr euch vor: ○○です (○○ desu), „Hier ist XX.“ Dann fragt ihr höflich nach eurem Freund: ○○さんをお願いします (○○ san wo onegaishimasu), „Darf ich bitte mit XX sprechen?“

Telefongespräch auf Japanisch: Verwendet "Moshi Moshi" bei Freunden.
Wenn ihr einen Freund anruft, verwendet das berühmte „Moshi Moshi“.

Denkt daran, dass Moshi Moshi eine gewisse Vertrautheit impliziert und vorzugsweise für Familie und Freunde verwendet wird, unter Umständen auch bei Fremden.

Wie man einen professionellen Telefonanruf tätigt

In einer formelleren Situation, insbesondere in der Unternehmens- und Geschäftswelt, ist es am besten, das beiläufigere Moshi Moshi zu meiden. So lauft ihr nicht Gefahr, unhöflich und respektlos zu wirken.

Am wichtigsten ist es, die Gruppe oder das Unternehmen (会社, kaisha) anzugeben, welches ihr vertretet. Eine typische Selbstvorstellung am Telefon beginnt mit dem Namen eures Unternehmens, gefolgt von eurem Namen: こんにちは、○○ [社] の ○○ です (konnichiwa, ○○[sha] no ○○ desu), „Hallo, hier ist XX von der Firma YY.“

Die Telefonetikette in Japan ist streng.
Führt ein professionelles Telefongespräch auf Japanisch mit formelleren und geschäftsgerechteren Redewendungen.

Wenn ihr nach einer bestimmten Person fragt, mit der ihr sprechen möchtet, sagt ihr: ○○さんをお願いします (○○ san wo onegaishimasu). Vergesst nicht, den Titel und die Abteilung der Person zu nennen, was besonders hilfreich ist, wenn mehrere Personen mit demselben Namen im Unternehmen arbeiten. Falls ihr vergesst euch vorzustellen, fragt die Telefonistin oder Rezeptionistin euch folgendes: どちら様ですか (dochira sama desu ka), „Darf ich fragen, wer anruft?“

Wie man ein Telefonat in einer professionellen Umgebung annimmt

Eine professionelle Art, das Telefonat anzunehmen, ist: はい、○○でございます (hai, ○○ de gozaimasu), „Hier ist XX.“  Oder auch: お電話ありがとうございます (o-denwa arigatō gozaimasu), „Vielen Dank für Ihren Anruf.“

Um jemanden zu bitten, kurz in der Leitung zu bleiben, könnt ihr sagen: ちょっと待ってください (chotto matte kudasai) oder in einer formelleren, höflichen Variante: 少々お待ちくださいませ (shōshō o-machi kudasaimase).

Wenn ihr euch in einer bescheideneren Form ausdrücken möchtet, bevor ihr euren Grund des Anrufes nennt, wie es in beruflichen Situationen üblich ist, könnt ihr das Gespräch folgendermaßen beginnen: お忙しいところ失礼いたします (o-isogashī tokoro shitsurei itashimasu). Wortwörtlich übersetzt sagt ihr: „Sie sind beschäftigt und ich bin unhöflich (Sie zu stören).“

Ein entscheidendes Element der professionellen Telefonetikette ist es, das Gespräch mit 失礼します (shitsurei shimasu) zu beenden. Wortwörtlich übersetzt mit „Entschuldigung für die Störung“. Um euren Austausch mit einem Kunden oder Lieferanten höflich abzuschließen, lautet der übliche Ausdruck お世話になっております (o-sewa ni natte orimasu), „Danke für Ihre Unterstützung. Danke, dass Sie mit uns zusammenarbeiten.“. Ihr könnt diesen Ausdruck auch verwenden, um ein Telefongespräch zu beginnen.

Entschuldigt euch am Telefon für die Störung.
Verwendet „shitsurei shimasu„, um euer Gespräch höflich zu beenden.

Lest hier, wie man auf Japanisch „Danke“ sagt und wie die Bedeutung von Ausdrücken wie Itadakimasu oder Otsukaresama.

Popularität der LINE Nachrichten-App seit 2011

Obwohl die Kommunikation über die Smartphone-Nachrichten-Anwendung Line noch relativ neu ist, ist sie mittlerweile so weit verbreitet, dass sogar die Regierung sie nutzt, um ihre Bürger zu erreichen. LINE wurde 2011 nach dem Erdbeben, dem Tsunami und der Kernschmelze in Fukushima gestartet, um die Telefonleitungen zum Teil zu entlasten. Die LINE-App war so erfolgreich, dass sie innerhalb weniger Jahre zur beliebtesten Nachrichten-App in Japan wurde. Heutzutage ist sie der Standard und wird von mehr als der Hälfte aller japanischen Einwohner verwendet.

Als kostenlose App nutzt LINE das Internet, um Textnachrichten, Audio- und Videoanrufe weiterzuleiten. Wenn ihr jemanden persönlich trefft, dann scannt ihr mit eurem Telefon einfach den QR-Code dieser Person und fügt ihn so zu euren LINE-Kontakten hinzu!

LINE ist die beliebteste Kommunikations-App in Japan.

Die App bietet auch weitere Dienste: den Verkauf von digitalen Stickern und Emoticons (sehr beliebt), LINE Pay für Einkäufe in Konbinis, das Teilen von Fotos und Videos, Sprachnachrichten, Live-Video-Streaming, Filter, Spiele (Face Play), einen persönlichen Speicherplatz (Keep) usw.

Unser Fazit

In Japan wird die Telefon-Etikette weitaus mehr von konventionellen Regeln und Höflichkeitsbekundungen beherrscht, als es bei Gesprächen von Angesicht zu Angesicht der Fall ist. Moshi Moshi wird für informelle Telefongespräche verwendet. Im beruflichen Kontext werden Höflichkeitsformen des Keigo, sowie Ausdrücke verwendet, die Bescheidenheit oder Demut des Sprechers und Respekt gegenüber den anderen vermitteln.

Übersetzung von Yvonne.

Marie Borgers

Marie Borgers

Originaire de Paris, je suis arrivée au Japon début 2020 pour m'installer à Nagoya. Si chaque voyage suscite un parfum distinct, les modes de vie aux antipodes des nôtres me fascinent, et l'histoire me passionne. Je vibre tout particulièrement dans les sites religieux. J'aime ces chocs culturels qui bousculent nos habitudes et nos visions du monde, et nous bouleversent en profondeur.

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