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Tief im Herzen der Präfektur Ehime, eine gemächliche Fahrt südlich von der Stadt Matsuyama entfernt, abseits der Massen von Touristen, die Fotos vom Dogo Onsen machen, der heißen Quelle, die als Inspiration für „Chihiros Reise ins Zauberland“ fungierte, liegen zwei Städte, deren Reichtum heute in ihrer relativen Vergessenheit liegt. Ozu (大洲), einst eine boomende Hafenstadt im Binnenland, war reich an Wohlstand und Kultur und wird nun, nach Jahrzehnten außerhalb des Rampenlichts, wiederbelebt. Im Gegensatz dazu steht Uwajima (宇和島), der perfekte Ort, um das florierende Kleinstadtleben mit Industrie und Handwerk zu erleben. Zusammen ergeben die beiden Städte eine entspannende Reise von zwei Nächten und drei Tagen mit luxuriösen Unterkünften und Speisemöglichkeiten für Reisende, die sowohl Kultur als auch Tradition in Ruhe erleben möchten.

Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten in der Burgstadt Ozu

Ozu war eine Burgstadt, deren Abgeschiedenheit ausschlaggebend für ihren Erfolg war. Die Überreste dieser klassischen japanischen Stadt am Fluss Hiji, nur 20 Kilometer von der Küste entfernt, sind ein Erbe der Industriellen aus der Meiji-Ära, die ihren Erfolg auf der, während der Edo-Zeit entwickelten, Stadtstruktur aufbauten. In ihrer Blütezeit fuhren Lastkähne von der Stadt Uchiko (内子), beladen mit dem weichen Wachs der Frucht des Sumachbaums, in das 25 Kilometer entfernte Ozu und dann weiter nach Kobe, Kyoto und darüber hinaus. Dieses Wachs, damals besser bekannt als „Bintsuke(鬢付) in Japan und „Japanwachs“ in Europa, wurde für seine Verwendung als schweißabweisende Grundierung unter dem sauberen, weißen Make-up der Geishas aus Kyoto bekannt und als Haarpomade der modernen Büromenschen in Tokio.

Der Fluss Hiji in Ozu.
Die Einwohner von Ozu gelangten durch den Hiji-Fluss zu Wohlstand.

Diejenigen, die die Sumachplantagen ausweiteten und Lastkähne besaßen, wurden wohlhabend und die Gemeinde entwickelte sich zu einem blühenden Handelszentrum mit Banken und Teehäusern. Kluge Investitionen in die Seidenproduktion zahlten sich bis weit in das frühe 20. Jahrhundert hinein aus. Kultur, Kultiviertheit und tiefe Verbindungen zu den Kapitalkassen von Tokio und Kyoto etablierten sich ebenfalls ins Ozu. Im Laufe der Zeit ersetzten jedoch industrielle Prozesse die natürliche Wachs- und Seidenproduktion und die Lastkähne verschwanden. Daraus resultierend lagen die einst so geschäftigen Straßen und beeindruckenden Stadthäuser schon bald leer.

Doch mit dem originalgetreuen Wiederaufbau der Burg von Ozu im Jahr 2004, kehrte der Tourismus zurück und Nipponia, in Japan als Meister der Kleinstadt-Revitalisierung bekannt, begann schon bald das Altstadtgebiet von Ozu zu einem gehobenen Hotelviertel zu entwickeln. Nipponia fuhr fort jahrhundertealte Gebäude in historische Luxusunterkünfte umzugestalten und gleichzeitig die Geschichte der Stadt zu bewahren.

Besucht das charmante japanische Häuschen von Garyu Sanso

Abgesehen von den Unterkunftsmöglichkeiten ist das architektonische Highlight von Ozu das Garyu Sanso (臥龍山荘), ein Häuschen und ein Teehaus mit Blick auf den Fluss Hiji. Erbaut für Kouchi Torajiro, der im Import-/ Exportgeschäft erfolgreich war, wurde es zu Beginn des 20. Jahrhunderts fertiggestellt und kombiniert westliche architektonische Verzierungen, wie eine Tonnengewölbedecke im Teehaus, mit japanischem Stil und Design.

Konstruiert, um in Harmonie mit der bestehenden Umgebung zu sein, ist nichts im Design dem Zufall überlassen – Handwerker wurden aus Kyoto geholt, um mit den Einheimischen zu arbeiten und ihnen moderne Techniken beizubringen. Und dieses Teehaus ist Torajiros Vermächtnis an die Stadt.

Der Besuch einer japanischen Burg und die Unterkunft in der Burg Ozu

Der Burgfried der Burg Ozu mit Blick auf die Stadt ist insofern einzigartig, als dass er 2004 in seinem ursprünglichen Design wieder aufgebaut wurde, wobei traditionelle Holzbautechniken verwendet wurden, die im späten 16. Jahrhundert üblich waren.

Mit freiem Blick in alle Richtungen, könnt ihr sehen, wo sich die Lastkähne um hohe Berge herum auf das Meer geschlängelt haben. Für diejenigen, die einen Burgaufenthalt auf ihrer Wunschliste zu stehen haben, besteht auch die Möglichkeit, die Burg für einen Abend zu übernehmen und in einem der Burgtürme zu speisen. Gönnt euch ebenfalls ein traditionelles japanisches Frühstück im Garyu Sanso.

Dinieren in Nipponia’s Restaurant Le Un

Das Juwel von Nipponias Wiederaufbau der Stadt Ozu ist das Restaurant Le Un, das eine herrlich verspielte, französisch-japanische Fusionsküche besitzt. Der Küchenchef nutzt die Jahreszeiten, regionale Spezialitäten und Zutaten aus der Region und scheut sich nicht, ungewöhnliche Kombinationen zu nutzen, um die gewünschten Geschmacksexplosionen zu kreieren. Unser Wintermenü enthielt ein Stück Fisch aus der Region, eingewickelt in hauchdünnen Prosciutto für den richtigen Umami-Kick.

Der Küchenchef bricht auch liebend gerne mit der Tradition das Gemüse unter dem Fleisch zu verstecken, wenn es serviert wird. So wie er es mit der lokalen Sorte süßer Karotten tat, die dem berühmten lokalen Schweinefleisch im Hauptgang die Show stahlen. Ehime ist in Japan berühmt für seine Zitrusfrüchte, daher spielen auch japanische Zitrussorten wie Yuzu eine wichtige Rolle auf der Speisekarte.

Uchiko: Eine der Hauptquellen von Ozus Reichtum

Wenn ihr einen freien Nachmittag habt und euch den Ursprung des Japanwachses ansehen möchtet, empfiehlt sich auch ein Besuch der historischen Stadt Uchiko. Das Uchiko-za, das ursprünglich als Kabuki-Theater erbaut wurde, aber auch einige Zeit als Kino diente, steht Besuchern zum Herumschlendern und Genießen offen. Dieses ganz aus Holz errichtete Theater war die Heimat japanischer Fernsehdramen und ihr könnt sogar unter die Bühne gehen, um zu sehen, wie die Kabuki-Bühnenvorrichtung funktioniert.

Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten in der Kleinstadt Uwajima

Das Gebiet Uwajima konnte seine Industrie und Handwerkskunst aus dem vergangenen Jahrhundert bewahren. Mit dem Fischfang in seinen Adern und einer Geschichte voller Mühsal und Fleiß, ist es eine spektakuläre Landschaft, um einen Tag lang mit Elektrofahrrädern herumzufahren und für all diejenigen, die sich in Komfort ausruhen möchten, sollten das Kiya Ryokan nicht verpassen.

Ein Elektrofahrrad in Japan.
Steigt auf ein Elektrofahrrad und erkundet Uwajima.

Besucht die Terrassenfelder von Yusumizugaura

Die terrassierten Felder von Yusu (遊子), die mit Steinmauern an steilen Berghängen errichtet wurden, wirken von unten betrachtet, wie eine Treppe, die sich in den Himmel erstreckt. Bestellt werden diese Terrassenfelder von den Fischern der Region, denn da die dünnen Ackerflächen durch Bebauung in Anspruch genommen wurden, blieb ihnen nichts weiter übrig, als sich den Terrassenfeldern zuzuwenden. Aber ein schwerwiegender Mangel an Trinkwasser bedeutete, dass sie hier keinen Reis anbauen konnten., stattdessen bauten sie also Hirse oder Getreide an.

Als die Zeit verstrich und die kommerzielle Seidenproduktion der Region rentabel wurde, wurden Maulbeerbäume gezüchtet, deren Ertrag dafür verwendet wurde, um die extrem steilen Terrassen mit Mauerwerk zu sichern. In den 1960er Jahren wurden die Aquakultur und die Perlenzucht zur wichtigsten lokalen Industrie, wodurch die Abhängigkeit von den Terrassenfeldern nachließ und diese langsam verfielen. Seit dem Jahr 2000 restaurieren lokale Freiwillige die Terrassenfelder und dieses beeindruckende visuelle Artefakt der Anstrengungen vergangener Zeiten zieht heutzutage bis zu 20.000 Besucher jährlich an.

Besucht die Einheimischen auf Kushima

Wenn ihr ein freundliches japanisches Fischerdorf erkunden möchtet, das die Zeit unberührt gelassen hat, dann fahrt zum Kisaiya-Platz in Uwajima, steigt auf eines der Elektrofahrräder und fahrt hinaus zur Insel Kushima (九島). Die Insel besitzt ihren ganz eigenen Charme, mit alten Häusern und Gassen , die überall darauf warten, erkundet zu werden.

Während wir die Insel besuchten, stießen wir auf eine Gruppe Fischer, die ihre Netze reparierten und sich gerne unterhalten wollten. Die Einheimischen waren sehr freundlich und redselig. Es gibt mehrere Boote an der Küste und weiter draußen auf dem Meer werdet ihr die Fischfarmen entdecken, in denen Goldbrassen, Gelbschwanz-Thunfische und Fugu gezüchtet werden.

Mittagessen im Restaurant „nicco“

Das Restaurant „nicco“ ist eine Neuheit in der kulinarischen Landschaft von Kushima und serviert köstliche, gesunde Speisen in einem entspannten offenen Raum. Das Ehepaar Hiroyuki und Chihiro Mizuno kamen für einen Urlaub auf die Insel, um Chihiros Großmutter zu besuchen und verliebten sich in die Insel und ihre Bewohner. Eines Tages, als sie durch die Inselgemeinde streiften und nach einem Ort suchten, an dem sie ihr Restaurant eröffnen könnten, sagte ihr jetziger Nachbar: „Dieses Gebäude steht seit zehn Jahren leer.“ Drei Jahre später, mit vollendeter Liebesarbeit, waren sie bereit für ihre ersten Kunden.

Jetzt haben sie treue Stammkunden, die wegen der hausgemachten Speisen aus der Region, mit Schwerpunkt auf originellen Kreationen zum Mittag- und Abendessen, kommen; und wegen der großen Auswahl an Getränken wie japanischem Wein, Sake und Craft-Bier bleiben.

Seht euch die traditionelle Flaggenherstellung im Kuroda-Flaggengeschäft an

Zurück auf dem Festland solltet ihr unbedingt beim Kuroda-Flaggengeschäft vorbeischauen, um die traditionellen Methoden zu sehen, die seit 1904 bei der Herstellung von Flaggen für Schreine und Tempel verwendet werden. Derzeit in 4. Generation vom Eigentümer und seinem Zwillingsbruder geführt und mit der 5. Generation in der Mitte der 10-jährigen Ausbildung, werdet ihr weit und breit keinen Computer sehen, da alle Flaggen von Hand gezeichnet werden.

Kuroda-san scherzte, dass die Kunden nicht wissen würden, wie die Flagge aussehen würde, bis sie fertig sei. Aber jede der Flaggen wird sorgfältig ausgelegt, skizziert, gezeichnet und mit unglaublicher Genauigkeit bemalt. Kuroda-san ist vor Ort auch als Musikliebhaber bekannt, mit einer umfangreichen Sammlung von Schallplatten und Spulenaufnahmen.

Verpasst nicht das Tai Meshi!

Das Tai Meshi ist ein regionaler Favorit und besteht aus Scheiben frischer, roher Goldbrasse auf Reis, garniert mit einer Mischung aus rohem Ei, Dashi-Brühe und Sojasauce. Es soll zuerst von lokalen Piraten verzehrt worden ein, die zufällig nach ein paar Drinks zu viel auf das Rezept stießen. Es ist in zahlreichen lokalen Restaurants erhältlich, aber das sind unsere Favoriten:

Hozumi-tei: Genießt Tai Meshi in einem Haus im japanischen Stil

Fünf Gehminuten vom Bahnhof Uwajima entfernt, befindet sich das Hozumi-tei, welches vor 101 Jahren zunächst als Ryokan-Unterkunft eröffnet wurde. Vor 41 Jahren wurde es jedoch darauf umgestellt, Mahlzeiten nur noch hungrigen Gästen zu servieren. Das Restaurant hat immer noch da Aussehen eines Hauses im japanischen Stil und der Besitzer in dritter Generation serviert köstliches Tai Meshi in einer komfortablen und freundlichen Atmosphäre.

Kadoya Bentencho: Eine preisgünstige Küche in einem japanischen Kettenrestaurant

Die lokale Restaurantkette Kadoya (かどや) wurde 1955 gegründet und hat sich inzwischen auf die gesamte Region Matsuyama/ Uwajima sowie gehobene Standorte in Tokio ausgeweitet. Die Bentencho-Filiale von Kadoya fühlt sich an wie ein normales Familienrestaurant mit einer schlichten Atmosphäre und serviert Tai Meshi zusammen mit einer Reihe anderer Fischgerichte und Kaiseki-Gerichte zu vernünftigen Preisen. Ein weiteres in Uwajima berühmtes Gericht heißt Satsuma Meshi, bei dem zerdrückter gegrillter Fisch und Miso zu einer leichten Paste vermischt und auf Gerstenreis serviert werden.

Übernachtungsmöglichkeiten in Uwajima

Das Kiya Ryokan (木屋旅館) ist ein traditionelles Ryokan, das einem modernen Facelifting unterzogen wurde und für sich schon eine Reise nach Uwajima wert ist, um dort zu übernachten. Es ist oft Monate im Voraus ausgebucht und insofern anders als alle anderen Ryokan-Aufenthalte in Japan, als dass ihr das ganze Gebäude für euch habt. Die Renovierung, die von einem Weltklasse-Produktionsteam durchgeführt wurde, öffnete den Raum, indem der zentrale Holzboden durch dickes Plexiglas ersetzt wurde, auf dem man gehen oder sogar schlafen kann. So kann eine große Menge an natürlichem Licht in die einst abgedunkelten Räume eindringen.

Der Manager, Bartholomeus Greb, arbeitet seit zehn Jahren hier und verfügt über fundierte Kenntnisse der Region. Er hilft euch gerne mit Restaurantempfehlungen und -buchungen weiter. Der Aufenthalt hier ist sehr individuell, mit Empfehlungen, die auf den Interessen und Umständen der Gäste basieren.

Für diejenigen, die ein eher standardmäßiges Hotelerlebnis suchen, bietet das JR Clement Hotel eine Vielzahl geräumiger Zimmer an, die allen Reisenden gerecht werden. Die Zimmer ermöglichen euch entweder den Blick auf die Burg oder den Bahnhof. Das Uwajima Oriental Hotel liegt fünf Gehminuten vom Bahnhof entfernt im Zentrum der Stadt und es braucht nur einen kurzen Spaziergang zum lokalen Nachtleben, um die Bars und Izakayas zu testen. Eine gute Wahl für preisbewusste Reisende. Denn zu den Annehmlichkeiten gehören unteranderem ein Badesalzsortiment, in dem Gäste Badesalze aus fünf verschiedenen Düften mischen und kombinieren können, sowie kostenlose Mandarinen während der Erntezeit.

Wie man nach Ozu und Uwajima gelangt

Ozu und Uwajima werden von dem Limited Express der JR Yosan-Linie vom Bahnhof Matsuyama (松山駅) aus angefahren. Wenn ihr vom Flughafen Matsuyama kommt, nehmt ihr den Matsuyama Flughafen-Bus zum Bahnhof Matsuyama (15 Minuten) und dann den Zug zum Bahnhof Iyo-Ozu (33 Minuten) oder ihr fahrt weiter zum Bahnhof Uwajima (1 Stunde 32 Minuten).

Wenn ihr nach Shikoku reist, um an einer Pilgerreise teilzunehmen, gerne durch die japanische Landschaft fahrt oder einfach nur neue Orte erkunden möchtet, sollten die Regionen Ozu und Uwajima in Ehime ganz oben auf eurer Liste stehen. Mit erstklassigen Meeresfrüchten, luxuriösen Unterkünften, entspannenden Erlebnissen und einer vielfältigen lokalen Kultur ist es ein Vorgeschmack auf Japan, der sowohl für anspruchsvolle Reisende als auch für diejenigen geeignet ist, die auf der Suche nach etwas Neuem sind.

Gesponsert von der Präfektur Ehime.
Übersetzung von Yvonne.

Don Kennedy

Don Kennedy

Hi! My name is Don Kennedy and I am a Tokyo-based freelance camera nerd. Having grown up in a sleepy town in rural Australia, in 2005 I moved to the world's largest metropolis and have been loving living here ever since. I’m based on the east side of the city, near Ueno, and really enjoy the relaxed atmosphere, the warmth of the locals, and the history of the area. As Tokyo is such an incredibly walkable city, you might see me wandering around with a camera in hand during the day, or making the most of the amazing food options in an izakaya or restaurant at night.

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