Shinsekai, was wortwörtlich „Neue Welt“ bedeutet, ist ein Bezirk im Süden von Osaka. Der Bezirk begann sich 1912 zu entwickeln und wurde als Ode an die Zukunft, mit großen Erwartungen ein Symbol der Stadt zu werden, präsentiert.

Aber seine Geschichte ist eine, von kontrastierendem Licht und Dunkelheit, gezeichnete. Eine Zeit lang galt der Bezirk als einer der gefährlichsten und dubiosesten Gebiete des Landes, er wurde zur Heimat des organisierten Verbrechens, der Obdachlosen und Sexarbeiter. Diese Situation stand in scharfem Kontrast zu der neuen Welt, von der die Menschen in Osaka, bei der Gründung von Shinsekai, geträumt hatten.

Heutzutage ist Shinsekai ein Viertel mit einer nostalgischen Atmosphäre, was es zu einem meiner Lieblingsbezirke in Osaka macht. Ich liebe es, mich in den Straßen zu verirren, besonders bei Sonnenuntergang und in der Nacht, zwischen den Neonlichtern und den Fassaden der Restaurants mit bizarren Dekorationen, die an alte Zeiten erinnern, weit weg vom Osaka des 21. Jahrhunderts.

Tsutenkaku – Der Eiffelturm von Osaka in Shinsekai

Meine Reise in die Vergangenheiten in Shinsekai beginnt in der Nähe des Tsutenkaku Towers, der als Wahrzeichen von Osaka gilt und aus dem sich das Gebiet entwickelt hat. Während der Zeit, als die westliche Welt in Mode kam, wurde Shinsekai von zwei Wahrzeichen der Welt inspiriert: dem Eiffelturm in Paris und Coney Island in New York.

Der Weg bis zum Tsutenkaku Tower ist kurz, aber ich kann es mir nicht verkneifen mir meine Zeit zu nehmen, um mir die vielen Plastikreplikate genauer anzuschauen, die vor den Eingängen der Restaurants ausgestellt sind, ebenso wie die extravaganten und beeindruckenden Fassaden der Ladenfronten. Oder um mir ein kleines Souvenir als Erinnerung an mein Abenteuer in Shinsekai, dem ungewöhnlichsten Viertel Osakas, zu kaufen.

Ich erreiche den Tsutenkaku und schaue vom Boden aus herauf. Ich bin erstaunt über das wunderschöne Deckengemälde, das drei Pfauen mit verzierten Pfingstrosen und Kamelien zeigt. Es handelt sich um die Nachbildung eines Originalgemäldes, welches als Werbung für ein lokales Kosmetikunternehmen erstellt wurde.

Der farbenwechselnde Turm in Shinsekai Osaka

In der Nähe entdecke ich den Eingang zum Turm und gehe die farbenfrohe Treppe hinunter, die mich in das erste Untergeschoss des Turms führt. Hier befinden sich viele Geschäfte, in denen ihr Snacks und andere limitierte Waren aus der Kansai Region kaufen könnt. Die meisten dieser Produkte sind themenbezogen auf Takoyaki und Okonomiyaki, dem Sould Food von Osaka.

Hier findet ihr auch einen Schalter, an dem ihr Tickets für das Obergeschoss des Towers kaufen könnt. Nachdem ihr den Eintritt bezahlt habt, fahrt ihr mit einem Aufzug nach oben. Es gibt einige verschiedene Observatorien, Souvenirläden, mehrere Ausstellungen und sogar ein Café! Klickt hier, um euch den Etagenplan anzusehen.

Aber mein persönliches Highlight beim Tsunetaku ist die Außenbeleuchtung, die sich monatlich ändert und die saisonalen Farben darstellt. Der März ist rosa, ebenso wie die wunderschöne Pflaumenblüte, die üblicherweise zu dieser Jahreszeit blüht.

Es gibt aber noch mehr zu entdecken! Die beiden oberen beleuchteten Bänder des Turms geben die Wettervorhersage für den folgenden Tag durch einfache Farbkombinationen an. Wenn beispielsweise die obere Farbe Rot und die untere Farbe Blau ist, bedeutet dies, dass es in der ersten Tageshälfte bewölkt ist und es in der zweiten Hälfte regnet.

Lokale Spezialitäten in Osaka: Kushikatsu – Der Stolz von Shinsekai

Es ist die Zeit nach Sonnenuntergang, wenn Leben in die Straßen einkehrt und sowohl Einheimische als auch Touristen sich in den Straßen von Shinsekai drängen, um die Restaurants mit der lokalen Küche zu genießen. Im Rampenlicht steht dabei ein besonderes Gericht: Kushikatsu (frittierte Spieße, die normalerweise aus Hühnchen, Gemüse oder Meeresfrüchten bestehen und zumeist mit einer Art Worchester-ähnlichen Sauce serviert werden). Aber in Osaka gibt es beim Essen von Kushikatsu eine Hauptregel: kein doppeltes Eintauchen! Die Sauce wird mit anderen Kunden geteilt, sodass ihr euer Essen aus hygienischen Gründen nur einmal eintauchen könnt. Meine Favoriten sind Hühnchen-Kushikatsu und Käse-Kushikatsu. Einfach lecker!

Neben Kushikatsu ist Fugu eine weitere Spezialität. So etwas muss man wenigstens einmal in seinem Leben probiert haben, denn Fugu ist ein ganz besonderer Fisch. Es ist das tödlichste Essen, das ihr probieren könnt. Aufgrund seines hochgiftigen Toxins (es gibt kein Gegenmittel) kann es nur von einem lizenzierten Fugu-Meister zubereitet, gekocht und serviert werden. Eines der beliebtesten Restaurants dafür ist das Zuboraya in Shinsekai, obwohl ihr Fugu auch an anderen Orten in Osaka finden könnt.

Billiken – Ein in den USA hergestellter Gott

Billiken ist eine in Shinsekai und Osaka bekannte Figur. Er ist eine Art Elfe mit einem schelmischen Lächeln und spitzen Ohren, die von einem amerikanischen Kunstlehrer geschaffen wurde. Die allererste Darstellung von Billiken kam 1912 nach Japan und wurde im Luna Park installiert, einem Vergnügungspark in Shinsekai, der 1923 geschlossen wurde.

Heutzutage ist Billiken als „Gott der Dinge, wie sie sein sollten“ bekannt und man kann ihn sogar in Tempeln und Schreinen finden. Es heißt, dass es Glück bringt, wenn du seine Füße reibst.

Janjan Yokocho – Das Herz von Osaka

Ich lasse die farbenfrohen Straßen von Shinsekai hinter mir, um nach Janjan Yokocho zu gehen, einer Geschäftsstraße mit kleinen Einzelhandelsgeschäften und lokalen Restaurants.

Mit Jajan begebt ihr euch tief ins Herz von Osaka mit der gleichen Retro-Atmosphäre, die für Shinsekai charakteristisch ist. Wenn ihr durch die Läden schlendert, fühlt es sich an, wie eine Rückkehr in die vergangenen Jahrzehnte. Die Straße ist immer belebt, auch wenn die leuchtenden Farben der Läden im Laufe der Jahre verblasst sind.

Einer der Orte, die mir in dieser Straße am besten gefällt, ist ein Geschäft, in dem die Einheimischen vorbeischauen, um altmodische japanische Brettspiele zu spielen. Jedes Mal, wenn ich vorbeigehe, lege ich normalerweise einen kurzen Stopp ein, um mir die Spiele durch die großen Fenster anzusehen.

Eine große Straße teilt Janjan Yokocho in zwei Bereiche. Obwohl das erste Gebiet (näher an Shinsekai) voller Touristen ist, ist der andere Bereich eher trist und nicht so überfüllt. Daher sind die meisten Geschäfte hier kleine Snackbars für Einheimische, in denen ausländische Touristen ein seltener Anblick sind.

Eine Snackbar ist ein Geschäft, die normalerweise von einer Frau namens „Mama“ geführt wird, sie kümmert sich um das Geschäft und neben der Betreuung der Kunden, serviert sie auch Getränke und einfache Snacks. Viele dieser Bars bieten auch ein kleines Sortiment an Karaoke für ihre Stammgäste an.

Persönlich rate ich euch nicht, diese Art von Bar zu betreten, es sei denn, euer Japanischniveau ist auf einem hohen Leven und ihr kennt die japanischen Bräuche. In den meisten dieser Geschäfte können die Mitarbeiter kein Englisch und es kann schwierig werden, die Regeln zu verstehen.

Tobita Shinchi – Osakas Rotlichtviertel

Über einige angrenzende Gassen von Janjan Yokocho, könnt ihr Tobita Shinchi erreichen, das größte Rotlichtviertel Westjapans. Ich verstaue meine Kamera, bevor ich hierherkomme, da es verboten ist in den Straßen Fotos zu machen.

Obwohl die Prostitution 1958 in Japan verboten wurde, ist Tobita Shinchi eine der wenigen kleinen Ecken in diesem Land, in denen sie offen zur Schau gestellt wird.

Nachdem das Verbot in Kraft trat, wurden die Bordelle in dieser Gegend für einen Tag lang geschlossen, nur um unter der Lizenz „Japanisches Restaurant“ wiedereröffnet zu werden. Unter diesem Vorwand konnten sie die Gesetze umgehen, indem sie ihren Kunden kleine Vorspeisen, Tee und andere Getränke anboten.

Die kleinen Gebäude bestehen aus zwei Stockwerken, wobei das Erdgeschoss vollständig geöffnet ist und die Mädchen auf Tatami sitzen, was von Passanten leicht gesehen werden kann. Dies ist wahrscheinlich der einzige Ort in Japan, an dem diese Art von Geschäft so öffentlich betrieben wird, ähnlich wie im Rotlichtviertel in Amsterdam.

Die „gefährlichste“ Nachbarschaft in Osaka

Im Gegensatz zu den Rotlichtvierteln anderer Länder ist Tobita Shinchi überhaupt nicht touristisch angehaucht. Und obwohl es nicht mehr so zwielichtig ist wie früher, solltet ihr vor eurem Besuch einige Dinge beachten, um Probleme zu vermeiden.

Das Aufnehmen von Videos oder Fotos ist verboten und das „Auschecken“ der Mädchen wird nicht empfohlen. In diesem Gebiet gibt es viele Aktivitäten im Bereich der organisierten Kriminalität, auch wenn dies nicht immer offensichtlich ist.

Obwohl Tobita Shinichi in der Nähe von Shinsekai liegt, gehört es zum Viertel Nishinari – einem der ärmsten und „gefährlichsten“ Viertel in Osaka. Es wird gesagt, dass Nishinari die Heimat zweier rivalisierender krimineller Organisationen ist und somit die höchste Kriminalitätsrate der Stadt aufweist. Im Vergleich zu anderen Ländern ist diese Rate aber immer noch ziemlich niedrig und tatsächlich ist es hier dennoch sicherer als in den meisten anderen Städten weltweit.

In der heutigen Zeit entwickelt sich Nishinari mit dem Aufkommen einer Vielzahl von kostengünstigen Unterkünften und Apartments für Ausländer weiter. Die Kriminalitätsrate sinkt ebenfalls und daher ist dies tatsächlich eine sichere Zone zum Erkunden, Schlafen und Essen mit kleinem Budget.

Während einer meiner Besuche in Osaka blieb ich zwanzig Tage in Nishinari und hatte kein einziges Problem. Darüber hinaus war es eine ausgezeichnete Gelegenheit, Shinsekai zu erkunden und die lokalste und authentischste Seite von Osaka kennenzulernen.

Wie ihr nach Shinsekai gelangt

Shinsekai ist nur einen kurzen Fußweg von den folgenden Bahnhöfen entfernt.

  • Shin-Imamiya: Osaka Loop Linie – wird vom JR Pass abgedeckt
  • Dobutsuen-mae: Midosuji Linie und Tanimachi Linie
  • Ebisuchi: Tanimachi Linie

Darüber hinaus könnt ihr Shinsekai vom Bahnhof Tennoji aus erreichen (14 Minuten zu Fuß). Obwohl dieser etwas weiter entfernt ist als die anderen drei Stationen, ist es ein interessanted Gebiet. Rund um den Bahnhof befinden sich mehrere große Einkaufszentren, ein Park, ein Zoo und der Wolkenkratzer mit dem höchsten Observatorium von Osaka.

Wie ihr nach Tennoji gelangt:

  • JR Yamatoji Linie – wird vom JR Pass abgedeckt
  • JR Loop Linie – wird vom JR Pass abgedeckt
  • JR Hanwa Linie – wird vom JR Pass abgedeckt
  • Midosuji Linie – Osaka Metro
  • Tanimachi Linie – Osaka Metro

Übersetzung von Yvonne.

Lucia Tsujiguchi

Lucia Tsujiguchi

Llegué de Madrid a Tokio en 2017 con dos maletas repletas de sueños por cumplir y una mochila llena de miedos que vencer. Siempre con mi cámara, que me acompaña en cada uno de mis viajes y aventuras. Quiero narrar la verdadera esencia de este país, el Japón que se oculta en la rutina diaria, en los supermercados locales llenos de abuelas japonesas, en los restaurantes sin menú en inglés, en los tesoros escondidos en las zonas rurales, en las pequeñas cosas de las que apenas nos percatamos en nuestro día a día.

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