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Die TAKUMI Road verläuft entlang der japanischen Westküste, von der Präfektur Fukui bis nach Niigata, die zusammen als Hokuriku bekannt sind. Sie zentriert sich um historisch wichtige Schifffahrtshäfen am Japanischen Meer und verbindet die Städte, in denen die Kultur, Geschichte und traditionelle Industrie noch immer geschätzt werden. Die langen, kalten Winter hielten Landwirte und Kunsthandwerker oft zu Hause fest, die wenig zu tun hatten, so dass sie begannen, sekundäre Fähigkeiten zu erlernen und zu üben, die sich dann zu neuen Industrien entwickelten. Schmieden und Metallarbeiten waren Fähigkeiten, mit denen die Landwirte und Kunsthandwerker Werkzeuge und Haushaltswaren herstellen konnten, also waren dies die am häufigsten erlernten Berufe. Es wurden aber auch Produkte entwickelt, die die religiösen und kulturellen Aspekte des alten Japans unterstützen, wie Kupferwaren und die Papierherstellung.

Das Wort „Takumi“ bedeutet „Meister der Handwerker“: eine Person, deren fortgeschrittene handwerkliche Fähigkeiten sogar von Handwerkskollegen verehrt werden. Die Meister der TAKUMI Road konzentrierten sich hauptsächlich darauf Gegenstände zu schaffen, die von Dauer waren und nicht auf die Menge der Werkzeuge, die sie herstellen konnten. Auf diese Tradition der Wertschätzung von Qualität sind die Handwerker dieser Region auch heute noch stolz.

Diese Fixierung auf Qualität macht Produkte der TAKUMI Road in anderen Teilen der Welt fast legendär. Weltbekannte Köche kommen hierher, um den Meisterschmied zu treffen, dessen Name auf ihrem Lieblings-Santoku eingraviert ist. Produktionsleiter staunen über die Liebe zum Detail bei jedem Schritt des Herstellungsprozesses von Präzisionsscheren und Drahtschneidern. Hier erfahrt ihr, was japanische Qualität weltweit so begehrt macht.

Der südwestliche Teil der TAKUMI Road umfasst die Städte Takaoka in der Präfektur Toyama und Echizen in der Präfektur Fukui.

Der große Buddha von Takaoka, TAKUMI Road, Japan.

Die Stadt Takaoka liegt zwischen den zerklüfteten Bergen der Präfektur Toyama und der spektakulären Toyama-Bucht, einer der schönsten Buchten Japans. Im Jahr 1609 gründete die Familie Maeda, die die Kaga-Domäne von der nahe gelegenen Stadt Kanazawa aus regierte, Takaoka als Burgstadt rund um die Burg Takaoka, die vom renommierten Samurai-Lord Takayama Ukon errichtet wurde. Dieser war ein enger Freund der Familie Maeda. Auch heutzutage behält Takaoka die Atmosphäre einer Burgstadt bei. Und mit über 400 Jahren Geschichte sind noch viele traditionelle Handwerke, Feste und historische Gebäude erhalten geblieben.

In den ersten beiden Tagen meiner Reise auf der TAKUMI Road, konnte ich diese feine Handwerkskunst hinter den Kulissen miterleben, einschließlich eines Besuchs in der Werkstatt für gehämmerte Kupferwaren, traditioneller Schmieden und der Herstellung der hochwertigsten Friseurscheren Japans. In den nächsten zwei Tagen werde ich diese von Handwerkskunst inspirierte Expedition durch die Städte Takaoka und Echizen fortsetzen.

Tag 3: Entdeckt die Meisterhandwerker von Takaoka durch ihre einzigartige Geschichte

Beginnt euer Abenteuer mit einer Tour durch den optisch beeindruckenden Tempel Takaokayama Zuiryu-ji. Der Tempel Zuiryu-ji wurde vom dritten Lord der Kaga-Domäne, Maeda Toshitsune, zu Ehren seines Vaters Toshinaga errichtet und zeichnet sich durch seine wunderschön gestaltete Symmetrie aus. Vom Haupttor aus könnt ihr sehen, wie das Haupttor, das Tempeltor und die Dharma-Halle perfekt aufeinander abgestimmt sind. Von der quadratischen Öffnung des Tempeltors wird die buddhistische Halle genau von der Türöffnung eingerahmt, wie ein an die Wand eingerahmtes Kunstwerk. Die Korridore um die Gebäude herum sind ebenfalls vollständig gerade, was dem Tempel eine außergewöhnlich ausgewogene und friedliche Atmosphäre verleiht. Obwohl ich bereits eine Vielzahl von Tempeln in ganz Japan besucht habe, stich der Zuiryu-ji für mich als wirklich einzigartiges Beispiel historischer Architektur hervor. Es sollte vielleicht nicht überraschen, dass das Tempeltor, der buddhistische Tempel und die buddhistische Halle zu den Nationalschätzen Japans erklärt wurden.

Takaokayama Zuiryu-ji Tempel 35 Seki-honmachi, Takaoka, Toyama 933-0863

Unternehmt einen Spaziergang durch das historische Viertel Yamamachisuji, dessen Straßen von traditionellen japanischen Lagerhäusern gesäumt sind. Viele Gebäude wurden renoviert und beheimaten nun moderne Geschäfte, haben jedoch die ursprüngliche Struktur aus dem frühen 20. Jahrhundert beibehalten. Dies ist ein ausgezeichneter Ort für einen entspannten Rundgang durch die Geschichte von Takaoka und in der Nähe des faszinierenden Takaoka Mikurumayama Museums (高岡御車山会館), das Informationen über eines der berühmtesten Festivals von Takaoka – und Japans – zeigt.

Yamachisuji Konmadashimachi, Takaoka, Toyama

Das Museum ist eine Hommage an das 400 Jahre alte Takaoka Mikuramayama-Festival, bei dem sieben riesige verzierte Wägen namens Dashi durch die Stadt gezogen werden. Der Ursprung des Festes geht auf das Jahr 1609 zurück, als der erste Kaga-Lord, Maeda Toshiie, seine kaiserliche Kutsche seinem Sohn Toshinaga überreichte, der sie wiederum den Einwohnern der Stadt schenkte. Die aktuellen Wägen sind repräsentativ für die meisterhafte Handwerkskunst der Takaoka-Handwerker in den Bereichen Metallverarbeitung, Lackierarbeiten, Färberei und Weberei. Im Museum könnt ihr den Wägen nahe genug kommen, um die Details dieser hoch aufragenden Dashi zu bewundern, deren blattgoldbedeckte Räder fast so groß sind wie eine Person. Einige der Dashi besitzen sogar Pupen, die sich mithilfe einer Automatisierung bewegen, einer fortschrittlichen Technologie in der Ära, in der sie gebaut wurden.

Takaoka Mikurumayama Museum 47-1 Moriyamamachi, Takaoka, Toyama 933-0928
Japanischer Festwagen.

Das jährliche Festival zieht jeden Mai Zehntausende von Feiernden aus ganz Japan an und ist eines der besten des Landes, aber um die Pracht dieser Wägen wirklich bewundern zu können, ist der Besuch des Museums ein Muss. Ihr müsst die Wägen sowohl vom Boden als auch vom zweiten Stock aus betrachten, um die schiere Größe und die Details dieser Handwerkskunst zu erkennen.

Fahrt nach dem Museum nach Nousaku, das sich in einem Vorort von Takaoka im „Büropark“ befindet, einer Industriezone, die geschaffen wurde, um die Industrien der Präfektur Toyama wiederzubeleben. Der Standort hier ist eine Mischung aus einer Fabrik, einem Ausstellungsraum, einem Café und einem Geschäft, aber für diejenigen, die die Metallbearbeitung selbst ausprobieren möchten, gibt es auch eine Werkstatt, in der Nousaku-Handwerker euch beim Gießen kleiner Gegenstände Hilfestellung leisten. Nousaku begann 1916 als Hersteller von Waren, die für buddhistische Altäre, Teegeschirr und Blumenvasen verwendet wurden, aber jetzt stellen sie moderne Designs aus Zinn, Messing und anderen Materialen für den modernen Lebensstil her.

Nousaku-Werkstatt in der Präfektur Toyama, TAKUMI Road.

Unsere Gruppe hat in einem 90-minütigen Workshop kleine herzförmige Schalen aus Zinn hergestellt. Der Prozess war kompliziert, aber mit Hilfe des freundlichen Handwerkes, der uns durch jeden Schritt führte, von der Herstellung einer Form aus Sand bis zum Eingießen von geschmolzenem Zinn, hatten wir schöne Souvenirs mit nach Hause nehmen können. Die Erfahrung gab uns eine Vorstellung von den vielen Fähigkeiten, die zur Herstellung dieser Gegenstände erforderlich sind und von denen einige seit Jahrhunderten relativ unverändert sind.

Ihr könnt auch einen Rundgang durch die Fabrik machen, bei dem ihr die Fabrikhalle aus den Sichtfenstern im Obergeschoss seht und die Auslagen der verschiedenen Produkte von Nousaku durchstöbern könnt. Das stilvolle Café und der Shop grenzen aneinander, wenn ihr einen kleinen Hunger verspürt oder ein paar kleine Mitbringsel für Zuhause braucht.

NOUSAKU 8-1 Office Park, Takaoka, Toyama 939-1119

Tag 4: Die Guss-Handwerker von Takaokas historischen Vierteln

Beginnt den nächsten Morgen mit einem Rundgang durch Kanayamachi, einem weiteren gut erhaltenen historischen Viertel von Takaoka. Ab dem frühen 17. Jahrhundert produzierte dieses Gebiet Eisengussteile für Haushaltswaren wie Töpfe und Kessel, und landwirtschaftliche Werkzeuge wie Pflüge und Hacken. Die Familie Maeda nutzte ihren großen Reichtum, um Handwerksmeister aus ganz Japan anzuziehen und diejenigen, die im Metallhandwerk talentiert waren, ließen sich in Kanayamachi nieder, wo es noch zahlreiche, auf diese Art von Handwerk spezialisierten, Geschäfte gibt. Die Stadt gilt als Geburtsort der Takaoka-Kupferwaren und als Herz der Kupferwarenindustrie in Japan.

Kanayamachi Takaoka, Toyama 933-0841
Historisches Viertel Kanayamachi in Takaoka, Japan.

Die Häuser hier sind mit dem traditionellen Senbon-Goshi-Zukuri-Gitter gebaut, die in Richtung der gepflasterten Straßen ausgerichtet sind. Man kann sich die Gegend fast so vorstellen, wie sie in den vergangenen Jahrhunderten aussah, wenn in den Werkstätten hinter den Häusern das Klirren von Metallbearbeitungswerkzeugen durch die Straßen hallte. Obwohl die Gegend heute ruhiger ist als damals, findet ihr in diesem Viertel einige faszinierende Geschäfte und Museen.

Eure erste Station ist das Takaoka Metallguss Museum, in dem ihr mehr über die 400-jährige Geschichte der Gussindustrie in Takaoka erfahren könnt. Dieses kleine Museum enthält eine große Anzahl von Exponaten, darunter historische Dokumente, Metallgussprodukte, die frühe Gusstechniken zeigen und eine Vielzahl von Form- und Gusswerkzeugen. Obwohl viele der Informationen auf Japanisch sind, bietet euch das Museum einen visuellen Überblick über die Arten von Produkten, die in Takaoka hergestellt wurden und weiterhin hergestellt werden.

Metallguss Museum 1-5 Kanayamachi, Takaoka, Toyama 933-0841

Geht weiter zum Gussstudio Risaburo, in dem seit über einem Jahrhundert Metallobjekte gegossen werden und erfahrt aus erster Hand mehr über diesen Prozess. Der Meister des Ateliers führt euch durch die Herstellung eures eigenen kleinen Blechgegenstandes.

Risaburo 8-11 Kanayamachi, Takaoka, Toyama 933-0841

Unsere Gruppe entschied sich für ein Windspiel und wir bekamen vorgeformte Sandformen, aus denen wir Designs herausarbeiten konnten und die dann auf der Oberfläche des Glockenspiels erscheinen würden. Es entpuppte sich als eine kleine Herausforderung, da das Spiegelbild der Designs sorgfältig aus der Form gemeißelt werden musste! Die Ergebnisse variierten zwar je nach Geduld, die jeder von uns für die Arbeit aufbrachte, aber wir konnten alle zugeben, dass es ein großartiger Lernprozess war. Für diejenigen, die ein weniger anspruchsvolles Objekt in der Gestaltung bevorzugen, könnt ihr aus einer großen Auswahl wählen, darunter kleine Teller oder Untersetzer.

Ein kurzer Spaziergang führt euch zu einem der berühmten Wahrzeichen der Stadt, dem Großen Buddha von Takaoka. Diese stattliche, 16 Meter hohe Bronzestatue ist repräsentativ für die Metallgusskultur, für die Takaoka bekannt ist. Zusammen mit den großen Buddhas aus Metallguss in Nara und Kamakura ist er als einer der „Drei großen Buddhas Japans“ bekannt. In der Tat kann man, wenn man in der Nähe des Stadtzentrums ist, verstehen, was der Große Buddha in Bezug auf sein Erbe für die Stadt darstellt. In einem so großen Maßstab sind die Details und die Qualität seiner Handwerkskunst deutlich zu erkennen. Interessanterweise ist der aktuelle Buddha, eine Statue der dritten Generation aus dem Jahr 1933. Die ersten beiden waren aus Holz und wurden durch Brände zerstört.

Der Große Buddha von Takaoka 11-29 Otemachi, Takaoka, Toyama 933-0039
Der große Bronze-Buddha von Takaoka, Japan.

Nehmt euch zwischen den Zielen etwas Zeit, um die gut erhaltenen historischen Viertel der Stadt zu genießen, darunter Kanayamachi, die Altstadt, in der viele Gussmetallhandwerker lebten und arbeiteten. Heute findet ihr hier zahlreiche neue Unternehmen, die neben denen, die bereits seit Jahrhunderten bestehen, koexistieren. Kunimoto verkauft moderne und traditionelle Lackwaren mit Intarsien aus Meeresschneckenschalen und Halbedelsteinen. Otera Kohachiro Shoten ist ein historisches Haus, das zu einer Galerie umfunktioniert wurde und das Produkte für viele verschiedene Kunsthandwerker aus der Region Takaoka verkauft, während die Straße runter in Kisen stilvolle Haushaltsprodukte aus Metall, Glas und Holz auf der Grundlage traditioneller Techniken und Formen hergestellt werden. Für diejenigen, die sich für die traditionelle japanische Teezeremonie interessieren, verkauft Kinjudo eine Vielzahl von gusseisernen Waren, einschließlich der Eisenkessel, die bei der japanischen Teezeremonie verwendet werden.

KUNIMOTO 64 Kommadashimachi, Takaoka, Toyama 933-0914
Koryo Kinju-do 2-1-16 Miyukimachi, Takaoka, Toyama 933-0954
Otera Kohachiro Shoten 6-9 Kanayamachi, Takaoka, Toyama 933-0841
Yotsukawa Seisakusho Ltd. (Kisen) 6-5 Kanayamachi, Takaoka, Toyama 933-0841

Macht eine Pause im Latticework Brewing Taphouse, um Takaokas eigenes Craft Beer und eine Mahlzeit im westlichen Stil zu probieren. Der Besitzer spricht ausgezeichnetes Englisch und freut sich mit Besuchern plaudern zu können.

Latticework BREWING Tap House (Facebook) 3-15 Kanayamachi, Takaoka, Toyama 933-0841
Latticework Brewing Taphouse in Takaoka.

Es gibt zwei großartige Möglichkeiten in Takaoka zu übernachten, je nach eurer persönlichen Präferenz. Das Kane no Sanzun sind zwei renovierte Häuser im Herzen von Kanayamachi für diejenigen, die sowohl Luxus als auch Tradition genießen möchten. Der Besitzer hat bei der Einrichtung und Ausstattung dieser beiden Unterkünfte, die wahre Museen der Takaoka-Handwerkskunst sind, keine Kosten gescheut. Die Innenräume sind modern japanisch, mit luxuriösen Betten, großen privaten Bädern und einer voll ausgestatteten Küche, wenn ihr eure eigenen Mahlzeiten zubereiten möchtet. Für einen unvergesslichen Aufenthalt in großzügigen privaten Unterkünften ist das Kane no Sanzun genau das Richtige.

MINKA Villas Kane no Sanzun 4-12 Kanayamachi, Takaoka, Toyama 933-0841
Kane no Sanzun in Takaoka, Japan.

Neben dem Bahnhof Takaoka befindet sich das Takaoka Manten Hotel Ekimae. Das Manten Hotel liegt an einem Knotenpunkt für Transport, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten und ist perfekt für diejenigen, die Werte und Komfort suchen.

Takaoka Manten Hotel Ekimae 1-8 Suehiromachi, Takaoka, Toyama 933-0023

Tag 5: Die exquisiten Besteckmeister von Echizen

Von Takaoka aus fahrt ihr mit dem Zug nach Echizen in der nahe gelegenen Präfektur Fukui. In der Nara-Zeit des 8. Jahrhunderts der japanischen Geschichte war hier die Hauptstadt der Provinz Echizen und die Gegend florierte als politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum dieser Zeit. Dutzende von Tempeln und Schreinen wurden hier errichtet, von denen viele einzigartig in Echizen sind und die ihre Popularität bei den Einheimischen bewahren. Echizen hat viel von seinem historischen Charme bewahrt, mit diesen alten Tempeln und Schreinen, die immer noch von traditionellen Gebäuden und alten Stadthäusern umgeben sind.

Wie schon seit Jahrhunderten stellt Echizen noch immer viele traditionelle japanische Kunsthandwerke her, darunter Echizen-Besteck, Tansu (Kommoden) und Washi-Papier. Obwohl sich die Zeiten und die Kunden geändert haben, bleiben die unglaublichen Fähigkeiten und das Engagement der Echizen-Handwerker für ihre Arbeit außergewöhnlich.

Euer erster Halt in Echizen führt euch in die Außenbezirke der Stadt, in eine gemeinsame Werkstatt von 13 Messerherstellern, die zusammen als Takefu Knife Village (Messerdorf) bekannt sind. Einst Konkurrenten, arbeiten diese Handwerker heute kooperativ zusammen, um Echizen-Besteck zu fördern und die seit 700 Jahren bestehende Industrie der traditionellen Messerherstellung zu schützen. Die hier hergestellten Messer sind weltweit für ihre Qualität bekannt und auch internationale Besucher sind dafür bekannt, einen Ausflug ins Takefu Knife Village zu machen, nur um den Meister zu treffen, der ihr Lieblingsmesser hergestellt hat.

Takefu Messerdorf in Echizen, Japan.

Das Dorf verfügt über einen großen gemeinsamen Werkstattbereich, den ihr bei einem Rundgang erkunden könnt, einen Ausstellungsraum, in dem ihr Produkte der Handwerker des Dorfes sehen und kaufen könnt und verschiedene Programme, die es den Besuchern ermöglichen, ihre eigenen Messer oder andere Gegenstände herzustellen. Abhängig von eurem Interesse und eurer vorhandenen Zeit, reichen die Programme von wenigen Stunden bis zu zwei Tage, wobei die längeren Programme es euch ermöglichen, an fast allen Aspekten der Herstellung eures Messers, unter der Anleitung eines lokalen Handwerkers, teilzunehmen. (Es wird empfohlen, dass ihr entweder relativ fließend Japanisch sprecht oder bereit seid, einen Übersetzer zu engagieren, wenn ihr an den längeren Programmen teilnehmen möchtet.)

Unsere Gruppe hat am kürzesten und einfachsten Programm teilgenommen: euren eigenen Brieföffner zu machen. Obwohl es nur etwa 90 Minuten dauerte, waren wir an vielen Aspekten der Herstellung unserer Brieföffner beteiligt, darunter das Auswählen und Nachzeichnen der gewünschten Form auf dem Metall, das Feilen der rauen Kanten und das Hämmern einzigartiger Muster in die Klinge. Am Ende durfte jedes Gruppenmitglied sein ganz individuelles Souvenir mit nach Hause nehmen.

Das „Besichtigen“ der Werkstatt erfolgt von einer Aussichtsplattform über dem Werkstattboden. Von dort aus könnt ihr verschiedene Bereiche überblicken, in denen Meisterhandwerker schmieden, hämmern und Messer zu fertigen Produkten schärfen. Wenn alle Aktivitäten gleichzeitig stattfinden, kann es ziemlich laut sein, einer der Gründe, warum das Takefu Knife Village aus dem Zentrum von Echizen an seinen jetzigen Standort verlegt wurde. Dennoch lassen die Hitze der Schmiede, die Funken, die aus scharfem Eisen fliegen und das Klirren von Hämmern eure Herzen höherschlagen, besonders wenn ihr den Ausstellungsraum besucht, um die fertigen Produkte zu sehen.

Takefu Knife Village 22-91 Yokawacho, Echizen, Fukui 915-0031

Eure nächste Station ist die Werkstatt für Schneidewaren Ryusen Hamono. Die Messer hier sind einzelne Kunstwerke, daher ist es nur logisch, dass auch der Ausstellungsraum außergewöhnlich ist. Rund um den Laden werden Messer wie Museumsstücke ausgestellt und in der Mitte befindet sich eine Theke, an der die Qualität der Messer erlebt werden kann. Nehmt euch eines der ausgestellten Messer und schneidet damit eine Karotte oder ein weiches Stück Styropor, das die Dichte von Brot nachahmt. Dies sind nicht nur schöne Klingen, sie sind auch Meisterwerke der Nützlichkeit.

Hinter der Theke hängt ein großes Gemälde eines Drachen, das an den Ursprung der einzigartigen Tröpfchenmuster namens „Ryusen-rin“ erinnert, die auf Ryusen-Klingen zu finden sind. Das Muster soll die Tröpfchen darstellen, die von den Körpern der Drachen herabfallen, den legendären Kreaturen, die einst in Japan verehrt wurden. Während die Legende von Drachen weit hergeholt klingen mag, ist eines an Ryusens Geschichte unbestreitbar – die Messer werden mit den gleichen Techniken geschmiedet, die vor fast 700 Jahren zur Herstellung japanischer Katana-Schwerter verwendet wurden.

Drachengemälde in der Werkstatt Ryusen Hamono, TAKUMI Road in Japan.

Ein perfektes Gleichgewicht zwischen Stärke, Schärfe und Schönheit, kein Wunder, dass Ryusen-Messer auf der ganzen Welt für ihre Qualität begehrt sind. Es war uns eine Ehre, die Meister zu treffen, die für die Verbreitung dieser großartigen kulinarischen Werkzeuge verantwortlich sind und ihre Leidenschaft für die Weiterführung der Traditionen, auf denen ihre Produkte basieren, zu entdecken.

Ryusen Hamono Co., Ltd 92-5-6 Ikenokami, Echizen, Fukui 915-0873

Die historischen Tempel von Echizen und die Tansu-Kistenhandwerker

Nachdem ihr die unglaubliche Handwerkskunst des Echizen-Bestecks bewundert habt, könnt ihr euch bei einem Spaziergang durch die historischen Straßen der Stadt die Beine vertreten. Westlich der Shinkansen-Station Takefu findet ihr ein gut erhaltenes Viertel mit alten Schreinen, Tempeln und Geschäftshäusern. Viele der Tempel hier existieren seit Jahrhunderten, enthalten wunderschöne Gärten und wichtige Gebäude.

Yoganji Tempel in Echizen, Japan.

Einer dieser Orte ist der Yoganji-Tempel, der 1471, nicht lange nach der Gründung der Stadt Echizen selbst, erbaut wurde. Der Yoganji profitiert von seiner Lage in einer Handwerkerstadt, was ihr bei einem Rundgang über das Tempelgelände sehen werdet. Von der höhlenartigen Mido-Haupthalle, die im Licht ihres mit Blattgold verzierten Dekors zu erstrahlen scheint, bis hin zu ihrem exklusiven Goten-Garten, den geschätzte Besucher vom Palastraum des Tempels aus sehen konnten, sind die Fähigkeiten der Handwerker, die an ihrem Bau beteiligt waren, in jedem Detail ersichtlich.

Mido Yogan-ji Tempel 3-10 Hommachi, Echizen, Fukui 915-0823

Nachdem ihr den Yoganji-Tempel und seine Schätze erkundet habt, spaziert ihr durch Tansu-machi, wo sich die Geschäfte der Handwerker konzentrieren, die Echizen-Kisten herstellen. Eure letzte Station des Tages ist Oyanagi Tansu Kobo, ein seit 1907 etablierter Hersteller von Tansu-Kisten.

Laut Oyanagi Norikazu, dem Handwerker des Ladens in der vierten Generation, gibt es drei wesentliche Techniken, die bei der Herstellung von Echizen-Kisten verwendet werden. Die erste ist „Sashimono“, bei der die Holzkomponenten ohne die Verwendung von Nägeln ineinandergesteckt werden. Zweitens die Verwendung von ornamentalen Metallbeschlägen, die mit Rohseide poliert und mit Kamelienöl beschichtet sind, um ein Rosten zu verhindern. Schließlich wird das Holz Schicht für Schicht lackiert, um tiefe Farben zu erzielen und das Holz, mit voranschreitender Zeit, zu schützen. Am wichtigsten ist, dass jede dieser Techniken vom Tansu-Handwerker selbst ausgeführt wird und nicht an andere Unternehmen weitergegeben wird.

Herr Oyanagi gab eine Führung durch seinen Laden und seine Werkstatt, wobei er die Arbeit demonstrierte, die erforderlich ist, um jede der drei Echizen-Tanzu-Techniken auszuführen. Er lud uns ein, sein Hobelschneidewerkzeug auszuprobieren, das eine so dünne Holzschicht abhobelt, dass sie durchscheinend ist. Es war sicherlich nicht so einfach, wie Oyanagi-san es aussehen ließ und wir hatten viel zu lachen, als wir versuchten, das Werkzeug zu verwenden.

Obwohl hier seit Hunderten von Jahren Echizen-Tansu-Kisten hergestellt werden, setzt Herr Oyanagi seine Innovation weiter fort. Er zeigte uns Beispiele seines kreativen Geistes bei der Arbeit, darunter Kisten, die mit magnetischen „Schlüsseln“ ver- und entriegelt werden. Oder Kisten, die wie ein Puzzle in einer bestimmten Reihenfolge geöffnet werden müssen, mit versteckten Schubladen tief im Inneren für wertvolle Gegenstände und einen tragbaren Lautsprecher für ein iPhone, um eure Musik oder euer Video ohne Strom zu verstärken. All diese Gegenstände werden mit den gleichen Techniken hergestellt, die er zum Bauen von Kisten verwendet.

Oyanagi Tansu Kobo 10-7 Takefuyanagicho, Echizen, Fukui 915-0822

Tag 6: Meister des Washi-Papiers von Echizen

Verbringt auch euren letzten Tag in Echizen und erlebt eines der ältesten Kunsthandwerke entlang der TAKUMI Road, das handgemachte Washi-Papier. Der Legende nach erschien den Dorfbewohnern dieser Gegend vor 1500 Jahren die Göttin Kawakami-Gozen und lehrte den Bewohnern die Kunst der Papierherstellung. Laut der Göttin gab es in der Gegend nicht viel außer gutem Wasser, also sollten sie daraus Papier machen. Was auch immer seine Herkunft nun ist, das Washi-Papier von Echizen ist in ganz Japan für seine hohe Qualität bekannt.

Die erste Station dieses Tages ist Washiya Sugihara. Diese 150 Jahre alte Papierfabrik bewohnt heute ein großes, über 100 Jahre altes, Lagerhaus, das zu einer Galerie und einem Geschäft umgebaut wurde. Das hier hergestellte Papier wird für viele High-End-Anwendungen wie Kunstdrucke und Innenausstattungsmaterialien für Luxushotels und Gebäude verwendet. Entdeckt das Geschäft, in dem es viele ausgefallene Artikel aus strapazierfähigem Washi-Papier gibt, darunter Visitenkartenhüllen, Geldbörsen und Bucheinbände.

Washiya Sugihara Washipaper, Inc. 17-2 Oizucho, Echizen, Fukui 915-0235

Von hier aus geht es weiter zu einem Schrein, der den legendären Ursprung der Washi-Papierherstellung von Echizen ehrt, der Okamoto-Otaki-Schrein. Dies ist der einzige Schrein in Japan, der Kawakami-Gozen gewidmet ist, der oben genannten Göttin, die das Wissen über die Papierherstellung nach Echizen brachte.

Umgeben von Bäumen am Fuße eines Berges, ist der Schrein ein heiliger Ort, der im Laufe der Zeit eins mit der Natur geworden ist. Er wurde aufgrund seiner einzigartigen Architektur als wichtiges Kulturgut in Japan ausgewiesen. Das moosbedeckte Dach ist ungewöhnlich komplex und absolut einzigartig. Neben dem Schreingebäude scheint ein bemooster Felsen, der von einer Steinlaterne gekrönt und von einem Shimenawa-Seil umgeben ist, jahrhundertelang in diesem perfekten Zustand geblieben zu sein.

Okamoto-Otaki-Schrein 13-1 Otakicho, Echizen, Fukui 915-0231
Schreingebäude vom Okamoto-Otaki-Schrein in Echizen.

Iwano Heizaburo Seishisho ist nicht weit vom Schrein entfernt und ist derzeit eine der größten Washi-Werkstätten für handgefertigtes Washi in Japan. Wir wurden von Akiko Tamamura, einer zertifizierten Washi-Handwerkerin mit über sechs Jahrzehnten Erfahrung, durch die Werkstatt geführt. Trotz oder gerade wegen ihrer langjährigen Erfahrung in der Papierherstellung, spricht sie mit Vorliebe und Leidenschaft über die Kunst der Papierherstellung. Irgendwann stimmt sie plötzlich in ein traditionelles Lied an, das Arbeiter während der langen Arbeitstage singen würde.

Seit über 150 Jahren wird hier Papier hergestellt. Es ist schwer zu übersehen, dass die Mehrheit der hier arbeitenden Handwerker Frauen sind, vielleicht geht es auf die Legende von Kawakami-Gozen zurück, die selbst eine Frau war. Akiko vermutete, dass es vielleicht daran lag, dass die Hüften von Frauen besonders gut für die sanften Schaukelbewegungen geeignet waren, die bei der Papierherstellung verwendet wurden. Mit einem Wassertank namens suki bune arbeitet ein Team von zwei Handwerkern in synchronisierten Bewegungen zusammen und fertigt jeweils ein Blatt Papier an. Es kann Jahre dauern, die Kunst zu beherrschen, die Papierstärke genau richtig einzustellen. Diese Werkstatt produziert eines der größten Washi-Blätter Japans mit etwa 2 x 2,7 Metern, wofür ein Team von vier Mitarbeitern nötig ist.

Iwano Heizaburo Seishisho Co., Ltd. 27-4 Otakicho, Echizen, Fukui 915-0234

Nachdem ihr nun gesehen habt, wie die Meister der TAKUMI Road Papier herstellen, möchtet ihr es wahrscheinlich selbst einmal ausprobieren. Besucht das Echizen Washi Village und das Papyrus House, das aus einem großen Geschäft und einer Werkstatt besteht. Hier können Besucher erleben, wie sie ihr eigenes handgemachtes Washi-Papier herstellen.

Das Papyrus House in Echizen, TAKUMI Roud, Japan.

Nachdem ihr mit dem Stöbern und Einkaufen im Geschäft fertig seid, welches eine große Auswahl an Papierwaren aus vielen der 67 verschiedenen Washi-Werkstätten in Echizen bietet, geht ihr in die Werkstatt des Papyrus Houses, wo ihr euer eigenes Set Washi-Postkarten entwerfen und erstellen könnt. Ein Handwerker führt euch durch die Schritte, die darin bestehen, die Papierbasis aus in Wasser getränkten Pflanzenfasern herzustellen, verschiedene natürliche Elemente wie Blätter und Blüten sowie einen Farbtupfer mit Farbstoffen hinzuzufügen und schließlich euer Papier durch den Vakuumtrockner zu streichen, um überschüssiges Wasser zu entfernen. Es ist eine angenehme Erfahrung, die ihr vielleicht wiederholen möchtet. Wenn ihr also mehr Zeit habt, stellt mehr Washi her! Tatsächlich war diese Erfahrung ein Hinweis darauf, warum Akiko-san nach über 60 Jahren Papierherstellung immer noch ein Lächeln auf den Lippen trägt.

Echizen Washi Village 8-44 Shinzaikecho, Echizen, Fukui 915-0232

Die Stadt Echizen: Unterkünfte und Restaurants

Bei einem Rundgang durch die Werkstätten und Begegnungen mit den Meistern der TAKUMI Road, darf auch ein weiterer herausragender Aspekt dieser Region nicht außer Acht gelassen werden: die kulinarischen Spezialitäten. Die lange Küste entlang des Japanischen Meeres bietet Echizen ein Fest an Meeresfrüchten, während das aus den Bergen herabfließende Quellwasser Getreide wie Reis, Buchweizen und Gemüse nährt.

Das Suya ist ein hübsches japanisches Gasthaus in der Nähe des Dorfes Echizen Washi, das traditionelle Echizen-Küche serviert, die sich mit den vier Jahreszeiten ändert. Vom Speiseraum aus habt ihr einen Blick auf den schönen Garten und das historische Teehaus. Gegen eine geringe Gebühr könnt ihr eure Mahlzeit auch im Teehaus einnehmen, wenn dieses verfügbar ist.

SUYA 29-41 Awatabecho, Echizen, Fukui 915-0242

Das Mantani ist ein luxuriöses Restaurant im Herzen des Tempelbezirk von Echizen. Das elegant dekorierte historische Gebäude und die perfekt zubereiteten Gerichte im Kaiseki-Stil, mit den besten Zutaten von Echizen, machen es zu einem perfekten Ort für einen intimen Abend.

MANTANI 3-1-3 Kyomachi, Echizen, Fukui 915-0813

Man kann Echizen nicht besuchen, ohne die berühmten lokalen Soba probiert zu haben. Saiya, im Dorf Echizen Washi, serviert riesige Schalen mit würzigen dicken Echizen Soba, die zusammen mit geriebenem Daikon-Rettich und Katsuo-Flocken (getrockneter Bonito-Thunfisch) angerichtet werden.

Saiya 9-15 Shinzaikecho, Echizen, Fukui 915-0232
Soba, japanische Buchweizennudeln mit Bonito-Flocken.

Ein Besuch im Izakaya Oishinbo Heychan macht so viel Spaß, wie der Name bereits vermuten lässt. Dieses Restaurant in der Nähe der Shinkansen-Station Takefu und mehrerer großer Hotels, serviert eine enorme Auswahl an Speisen und Alkohol. Wenn es euch etwas überwältigend vorkommt, helfen euch die Besitzer gerne bei der Auswahl einiger Gerichte, basierend auf euren Präferenzen. Zögert nicht sie zu fragen!

Für eine Unterkunft in Echizen, bietet sich nichts besser an als das Super Hotel Echizen, Takefu, ein kürzlich erbautes Hotel mit sauberen, komfortablen Zimmern, nur wenige Minuten vom Bahnhof entfernt.  

Izakaya Oishinbo Heychan 2-17 Horaicho, Echizen, Fukui 915-0074
Super Hotel Echizen, Takefu 2-15 Horaicho, Echizen, Fukui 915-0074

Auf meinen Reisen durch ganz Japan staune ich ständig über Orte wie diesen und frage mich, wie ich zuvor noch nie von ihnen gehört haben kann. Nachdem ich sechs Tage auf der TAKUMI Road unterwegs war und die Meister getroffen habe, die das traditionelle Handwerk der Region mit so viel Leidenschaft weiterführen, schmerzt es mich daran zu denken, wie wenige ausländische Besucher wissen, dass es hier einen solchen Ort und eine solche Kultur gibt. Betrachtet dies als einen Hinweis, Freunde. Seht euch eine Seite von Japan an, die nur wenige zuvor auf der TAKUMI Road gesehen haben.

Gesponsert vom Hokuriku-Shin’etsu District Transport Bureau.
Übersetzung von Yvonne.

Todd Fong

Todd Fong

Freelance writer, photographer, and mentor. Japan-based, Oaktown (Oakland, California) born. Freelance writing and photography work includes Lonely Planet, Voyapon, Metropolis Japan, and many regional tourism websites around Japan.

https://www.toddfong.com

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