fbpx Skip to main content

Vielleicht hast du schon gehört, dass Japan in der Landessprache Nippon oder Nihon (日本) genannt wird. Wie kam es also, dass wir das Land in der deutschen Sprache Japan nennen? Und was bedeutet der Name eigentlich? Was ist sein Ursprung? Warum nennt man Japan auch das Land der aufgehenden Sonne? All diese Fragen möchten wir in diesem Artikel beantworten:

Was bedeutet Nippon?

Beginnen wir mit der Bedeutung des Namens Nippon. Die folgenden Ausführungen sind etwas leichter zu verstehen, wenn man das japanische Schriftsystem ein bisschen kennt. Zuerst einmal muss man wissen, dass die chinesischen Schriftzeichen, die bis heute in Japan verwendet werden, nicht rein phonologisch sind, also nicht nur Laute abbilden, sondern auch für sich eine Bedeutung haben. Wenn man also zum Beispiel das Schriftzeichen von “Berg” (山) sieht und man die Bedeutung des Schriftzeichens kennt, kann man es verstehen, ohne überhaupt zu wissen, wie das Wort auf Japanisch ausgesprochen wird. Anders als im Chinesischen, hat ein Schriftzeichen im Japanischen in der Regel sogar gleich mehrere mögliche Aussprachen. Die Japaner, die über kein eigenes Schriftsystem verfügten, übernahmen die chinesischen Schriftzeichen und ergänzten sie später mit phonetischen Kana-Schriftzeichen, um die japanische Sprache adäquat abbilden zu können.

Die Kanji können unterschiedlich ausgesprochen werden, Nippon oder Nihon.
Die chinesischen Schriftzeichen werden im Japanischen Kanji genannt.

Mit diesem Hintergrundwissen schauen wir uns nun die Entwicklung des Landesnamens an, die eng mit diesem Schriftsystem verflochten ist. Um dem Ursprung der Landesbezeichnung auf die Spuren zu kommen, müssen wir zunächst einen Blick in die Vergangenheit werfen. Genauer gesagt, auf die japanisch-chinesischen Beziehungen im ersten Jahrtausend nach Christus. Etwa zu Beginn unserer Zeitrechnung, entstanden in China Aufzeichnungen, in denen die Bewohner des südlichen Japans als Wa (倭) bezeichnet wurden. Das Schriftzeichen 倭 kann unter anderem “unterwürfig” bedeuten. Möglicherweise wählten die chinesischen Verfasser dieses Schriftzeichen, weil die damaligen Bewohner Südjapans ihren Respekt für ihr Gegenüber mit einer tiefen Verbeugung ausdrückten, aber den genauen Grund kann man nicht mehr mit Sicherheit sagen.

Die Japaner waren natürlich nicht ganz zufrieden mit dieser etwas herabsetzenden Bezeichnung und ersetzten später Wa (倭) mit dem gleichlautenden Schriftzeichen Wa (和), welches “Harmonie” bedeutet. Mit dem Zeichen für “groß” (大) kombiniert, wurde der Name auch als Yamato (大和) gelesen, der Name des damaligen Machtzentrum Japans, das sich in der Gegend um die heutige Präfektur Nara befand. Das Zeichen Wa wird übrigens bis heute in manchen sino-japanischen Komposita benutzt, um auszudrücken, dass etwas japanisch ist. So etwa bei den Wörtern für japanisches Essen (washoku 和食), japanische Kleidung (wafuku 和服) oder die berühmten japanischen Rinder (wagyū 和牛).

Die Beziehung zwischen China und Japan nahm also direkten Einfluss auf die Entwicklung des Landesnamens. Während sich das Kaiserreich China dem kleineren Nachbarn überlegen fühlte, sah sich Japan als diplomatischer Partner auf Augenhöhe. So eröffnete der Kronprinz Shotoku (聖徳 太子, Shōtoku Taishi, 574 – 622) im Jahr 607 einen Brief an den Kaiser von China mit den folgenden Worten: “Der Kaiser des Ortes, an dem die Sonne aufgeht, schreibt an den Kaiser des Ortes, an dem die Sonne untergeht.” Diese Anrede, mit der Shotoku die Gleichwertigkeit der beiden Länder betonen wollte, spielt natürlich auf Japans geografische Lage östlich von China an, die Himmelsrichtung, in der die Sonne aufgeht. Man könnte auch sagen, die Sonne hat ihren Ursprung im Osten. Auf Japanisch bedeutet Ursprung der Sonne hi no moto (日の本) und wenn man die Schriftzeichen von Sonne (hi 日) und Ursprung (moto 本) zusammen nimmt und sie in ihrer sino-japanischen Lesung ausspricht, kommt schließlich Nippon (日本), bzw. Nihon dabei heraus.

Kronprinz Shotoku Taishi.
Der Kronprinz Shotoku, hatte maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung des Namens Nippon.

Der Namenswechsel von Wa bzw. Yamato zu Nippon geschah wahrscheinlich in den Jahren zwischen 665 – 703. Wer diesen Namenswechsel eingeleitet hat, ist allerdings unter Historikern umstritten. Eine Theorie besagt, dass die chinesische Kaiserin Wu während des Besuchs einer japanischen Gesandtschaft den Namenswechsel anstieß. Von der japanischen Gesandtschaft wurde dieser Wechsel sehr begrüßt und im Laufe der Heian-Zeit (794 – 1185) setzte sich der Name schließlich auch innerhalb Japans durch und löste Yamato als Landesnamen ab.

Heißt es Nippon oder Nihon?

Kurz gesagt, beides ist richtig. Die Schriftzeichen 日本 können sowohl Nihon als auch Nippon gelesen werden. Die ursprüngliche Lesung mit “pp” wurde nach einiger Zeit abgeschwächt und auch als Nifon gelesen, was sich dann wiederum zu der Lesung Nihon weiter entwickelte. Im heutigen Sprachgebrauch wird sowohl Nihon, als auch Nippon verwendet, wobei im Alltag Nihon etwas gebräuchlicher ist, während Nippon oft bevorzugt wird, wenn es um offizielle Anlässe, wie zum Beispiel Staatszeremonien und Sportveranstaltungen geht.

Bei offiziellen Anläsen wird das Wort Nippon verwendet.
Bei offiziellen Anlässen wird die Bezeichnung Nippon immer noch häufiger benutzt.

Gab es auch noch andere Landesnamen für Japan?

Ja, die gab es. Die meisten von ihnen beziehen sich allerdings auf das legendäre Japan der prähistorischen Zeit. Oyashima-guni (大八島国) war einer dieser Namen, der sich unter anderem im Kojiki (古事記) findet, das im 8. Jahrhundert verfasst wurde und als die älteste schriftliche Quelle Japans gilt. Wortwörtlich bedeutet er “Das Land der acht großen Inseln” und bezieht sich auf den japanischen Schöpfungsmythos, in dem das Götterpaar Izanagi und Izanami acht Inseln erschaffen haben soll. Die Zahl sollte man allerdings nicht zu wörtlich verstehen, da sie in diesem Fall für eine Vielzahl an Inseln steht. In einem frühen Gesetzestext bezeichnete Oyashima das Land unter der Herrschaft des japanischen Kaisers.

Das Götterpaar Izanami und Izanagi.
Das Götterpaar Izanami und Izanagi soll der Legende nach die japanischen Inseln erschaffen haben.

Ein anderer alter Name ist Akizushima (秋津島). Diese Bezeichnung findet sich ebenfalls im Kojiki sowie im Nihon Shoki (日本書紀), einer weiteren Chronik, die etwa zur selben Zeit geschrieben wurde wie das Kojiki, und im Man’yoshu (万葉集), der ersten großen Gedichtanthologie Japans. Eine poetische Interpretation der Bedeutung dieses Namens auf Basis der phonetischen Lesung der Schriftzeichen lautet “Libellen-Insel.”

Warum sagen wir Japan und nicht Nihon?

Warum heißt das Land dann bei uns Japan, wenn es in der Landessprachen Nihon oder Nippon genannt wird? Bei dem Namen Japan handelt es sich um ein sogenanntes Exonym, das heißt, es ist ein Ortsname, der von der Bezeichnung in der vorherrschenden Sprache des Ortes abweicht. Im Deutschen gibt es viele Beispiele für solche Exonyme. So heißt Mailand etwa Milano auf Italienisch und Lissabon heißt Lisboa auf Portugiesisch.

Die erste Erwähnung Japans in einer europäischen Sprache finden wir in den Aufzeichnungen Marco Polos, der im späten 13. Jahrhundert China besuchte. Obwohl er es selber nicht ganz bis nach Japan schaffte, erwähnte er das Land in seinen Schriften unter den Namen Cipangu. Dieser Name kommt wahrscheinlich von der portugiesischen Umschrift der frühen Mandarin oder Wu-chinesischen Lesung von Nippon-koku (日本国).

Marco Polo
Marco Polo war der erste Europäer, der Japan in seinen Schriften erwähnte.

In den folgenden Jahrhunderten finden sich unterschiedliche Namen für Japan in den verschiedenen europäischen Sprachen, die teilweise auf alten Karten dokumentiert sind. Da europäische Händler und Missionare zuerst mit anderen asiatischen Ländern in Kontakt traten, bis sie schließlich das weit entfernte Japan erreichten, übernahmen sie die Bezeichnungen der jeweiligen Landessprache. Daher leiten sich viele der europäischen Namen für Japan, wie auch Marco Polos Cipangu, von chinesischen Lesungen von Nippon ab oder kommen aus anderen asiatischen Sprachen, wie etwa von den malaysischen und indonesischen Bezeichnungen Jepang, Jipang, und Jepun, die portugiesische Händler auf ihren Reisen aufschnappten. Daraus entstanden dann, im Laufe der Zeit, in den europäischen Sprachen die heutigen Landesbezeichnungen Japans. So heißt Japan etwa Japon auf Französisch, Japani auf Finnisch und Giappone auf Italienisch.

Von den ersten schriftlichen Erwähnungen des Landes Wa in chinesischen Aufzeichnungen über der Namensänderung zu Nippon während der Heian-Zeit, bis zur Entwicklung der Bezeichnung Japan aus anderen asiatischen Sprachen, hat der Landesname also eine faszinierende Transformation durchgemacht.

Thomas Siebert

Thomas Siebert

Als ich das erste Mal eine Kampfkunsthalle betrat, hatte ich keine Ahnung, dass mich das einmal zum Studium der Japanologie und Buddhismuskunde führen würde. In 2015 zog ich dann von Koblenz nach Kyoto, um meine Studien des Buddhismus zu vertiefen und meine Liebe für Japan mit anderen zu teilen. Jetzt lebe ich in Sendai, wo ich weiterhin meiner Leidenschaft für traditionelle japanische Kultur folgen darf.

Leave a Reply